Regenbogen-Stufen am Erzherzog-Johann-Brunnen entzweien Graz

Sachbeschädigung oder eine Kampagne der Stadt-ÖVP?

Erzherzog-Johann-Brunnen mit Regenbogen-Stufen
Stadt Graz

Für Diskussionen sorgt derzeit in Graz eine Aktion queerer Aktivist:innen: Sie haben im Umfeld des CSD Graz die Stufen des Erzherzog-Johann-Brunnens in Graz in Regenbogenfarben gefärbt. Diese dürften sich allerdings nicht so leicht entfernen lassen wie ursprünglich gedacht – jetzt wird die Causa zum Politikum.

Konnte die Kreidefarbe leicht entfernt werden oder nicht?

Die bunten Stufen bekam der Brunnen in der Nacht des 28. Juni, dem Datum der Aufstände in der New Yorker Christopher Street, der Geburtsstunde der modernen LGBTI-Bewegung. Dazu wurde Kreidefarbe verwendet, die beim ersten Regen wieder verschwinden sollte. Doch dem war offenbar nicht so.

„Das Problem war, dass die Farbe sehr dick aufgetragen war, etwas Öliges war auch dabei“, erklärt Mario Ruml, Restaurator und technischer Leiter der vom Kulturamt beauftragten Reinigungsfirma, der Kleinen Zeitung . Ein Starkregenguss, der sich kurz danach über Graz ergoss, habe die Farbe nicht weggewaschen, im Gegenteil: „Er hat dafür gesorgt, dass die Farbe noch tiefer in den Stein eingedrungen ist.“

Das Kulturamt hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet

Rund 100 Arbeitsstunden seien nötig gewesen, um die Stufen wieder einigermaßen sauber zu bekommen – ein leichter Farbschimmer blieb trotz aller Bemühungen zurück. Die Kosten dafür: Rund 5.000 Euro. Das Kulturamt der Stadt Graz hat angekündigt, Anzeige wegen Sachbeschädigung zu erstatten und die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen.

Dadurch wird die Sache auch zum Politikum: Denn an der Aktion beteiligt waren auch Stadtpolitiker:innen, wie etwa SPÖ-Gemeinderätin Anna Robosch. „Es handelt sich hier nicht um ein aktionistisches Bagatellvergehen, sondern vielmehr um schwere Sachbeschädigung, zumal das Tatobjekt ein Denkmal ist“, empört sich deshalb ÖVP-Gemeinderätin Sabine Wagner.

RosaLila PantherInnen: „Möglicherweise übers Ziel hinausgeschossen“

Die LGBTI-Organisation RosaLila PantherInnen (RLP) versucht, die Wogen zu glätten: „Alle Beteiligten hatten gute Absichten, doch sind sie möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen.“ An einer eventuellen Strafe werde man sich beteiligen: „Denn wir stehen hinter unserer Community, wie auch Eltern hinter ihren Kindern stehen, wenn diese etwas falsches gemacht haben“, geben sie bekannt. 

Sie kritisieren an der Debatte, dass es nicht mehr um sachliche Argumente, sondern um Politik gehe – und die Kritik die gesamte LGBTI-Community treffe. Beteiligte, darunter auch Aktivist:innen der RLP, würden dadurch eingeschüchtert. Manche Kommentare unter den Zeitungsartikeln zeigten, „dass Regenbogen-Symbolik noch immer enorm wichtig ist“.

Teilnehmende SPÖ-Gemeinderätin ortet „ÖVP-Kampagne“

Robosch geht sogar zum Gegenangriff über. Sie bezeichnet die Kritik an der Aktion als „ÖVP-Kampagne“. Im Vorjahr, als die Brunnenstufen ebenfalls bemalt wurden, habe Kulturstadtrat Günter Riegler von der ÖVP auf Anfrage der FPÖ im Gemeinderat noch gemeint: „Das ist natürlich eine Aktion, die sozusagen subversiv ist, aber das muss man, glaube ich, als Stadt auch aushalten“.

Er habe letztes Jahr auch betont, dass im Zuge einer Routinereinigung keine Zusatzkosten entstanden sind. „Und nun kostet es – bei der gleichen Kreidefarbe – plötzlich 5000 Euro und braucht eine Spezialreinigung“, ist Robosch verwundert.

Der Kleinen Zeitung  erklärt sie: „Die Initiatoren hätten sogar angeboten, die Reinigung nach einigen Tagen selbst zu erledigen. Aber Stadtrat Riegler, der im Vorjahr noch verständnisvoll und liberal war, hat ja lieber eine externe Firma beauftragt und das als Sachbeschädigung angezeigt.“