Mehr als 65.000 gleichgeschlechtliche Eheschließungen in Deutschland

Frauen waren bis jetzt etwas heiratsfreudiger als Männer

Sujetbild: Eheschließung
Sujetbild - Adobe Stock

Vor fünf Jahren hat der Deutsche Bundestag die Ehe für schwule und lesbische Paare geöffnet. Seitdem haben sich 65.600 gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort gegeben, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mit.

„Ein großes Stück gesellschaftliche Gleichberechtigung“

„Die Ehe für Alle hat für Schwule und Lesben endlich ein großes Stück gesellschaftliche Gleichberechtigung gebracht“, freut sich Stefanie Lünsmann-Schmidt vom Bundesvorstand des deutschen Lesben- und Schwulenverbands (LSVD).

Dabei waren Frauen etwas heiratsfreudiger als Männer: Bis Ende 2021 gab es gut 32.300 Eheschließungen zwischen zwei Männern und knapp 33.300 Ehen zwischen zwei Frauen. 

Ohne Umwandlungen eingetragener Lebenspartnerschaften in Ehen waren es bis zum Ende des Vorjahres insgesamt 36.800 gleichgeschlechtliche Eheschließungen. „Wir sehen auch an der hohen Anzahl der umgewandelten Lebenspartnerschaften in Ehen, dass der Zugang zur Ehe notwendig, gewollt und richtig war“, so Lünsmann-Schmidt.

Unter gleichgeschlechtlichen Paaren ist der Corona-Knick deutlicher

Doch auch bei gleichgeschlechtlichen Ehen gibt es einen deutlichen Corona-Knick: Gab es 2019 noch insgesamt 14.021 schwule oder lesbische Eheschließungen, fiel diese Zahl im Vorjahr auf 8.710.

Allein zwischen 2020 und 2021 ist die Zahl der Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts um 12,4 Prozent gesunken. Auch letztes Jahr waren Frauenpaare mit 4.600 Eheschließungen heiratsfreudiger als Männerpaare mit 4.100 Ehen.

Der Rückgang bei gleichgeschlechtlichen Eheschließungen ist deutlicher als unter heterosexuellen Ehepaaren. Dort heirateten letztes Jahr nur 3,9 Prozent weniger Paare als im Jahr zuvor.

Seit fünf Jahren können Schwule und Lesben in Deutschland heiraten

Der Deutsche Bundestag stimmte am 30. Juni 2017 einem Gesetzesentwurf zur Öffnung der Ehe zu. Das Gesetz trat dann am 1. Oktober des gleichen Jahres in Kraft. Zuvor hatten schwule und lesbische Paare in Deutschland nur die Möglichkeit, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen.

Doch gleiche Rechte für sexuelle Minderheiten gibt es durch die Öffnung noch nicht: „Wir benötigen ein Abstammungsrecht, in dem Kinder von Beginn an zwei Eltern haben und in der queere Paare nicht, trotz gemeinsamen Kinderwunsch und gemeinsamer Erziehung, durch ein aufwendiges gerichtliches Adoptionsverfahren müssen“, betont Lünsmann-Schmidt.