[Video] Slowakischer TV-Journalist outet sich live im Fernsehen

Deutliche Worte von Rastislav Iliev

Rastislav Iliev
TA3

Ein deutliches Zeichen setzt der slowakische TV-Journalist Rastislav Iliev nach dem Anschlag auf die queere Bar Tepláreň im Zentrum der Hauptstadt Bratislava: Er outete sich am Sonntag live in der Sendung „V politike“ des Privatsenders TA3 als Mitglied der LGBTI-Community.

„Wir müssen aufhören zu schweigen und der Welt von uns erzählen“

Der Anschlag, bei der ein 19-jähriger Rechtsradikaler zwei junge Besucher getötet und eine Angestellte verletzte hatte, war Thema der Sendung. In der Eröffnungs-Moderation der Sendung zitierte Iliev den Besitzer der Bar, Roman Samotný, der gesagt hatte: „Wir müssen aufhören zu schweigen und der Welt von uns erzählen – denn das Böse breitet sich immer noch aus.“

Und genau das machte Ratislav Iliev. Er bekenne sich „stolz zu meinem Platz in der LGBTI-Community“ und forderte andere ungeoutete LGBTI-Prominente – Schauspieler:innen, Journalist:innen oder Politiker:innen – auf, es ihm gleich zu tun: „Es gibt eine beträchtliche Anzahl von ihnen im Parlament“, fügte er hinzu. Iliev kritisierte die slowakische Politik scharf: „Die meisten Politiker haben den brutalen Mord bereits verurteilt. Auch diejenigen, die die LGBTI+-Community seit Jahren systematisch verspotten“, sagte er.

Slowakische Politiker hetzten noch immer gegen sexuelle Minderheiten

„Sie sagen, dass wir nicht auf die Straße gehören, sondern in Anstalten. Dass wir Feinde und Abweichler sind und dass sie uns lieber isolieren würden. Wir haben jedoch nicht vergessen, dass Worte auch Waffen sind, und auch Sie sollten das nicht tun“, erinnert der Journalist: So hatte etwa Parlamentssprecher Boris Kollár betont, dass er weiterhin zu seinen Aussagen stehe, dass Homosexuelle nicht auf die Straße gehörten.

„Hört auf, euch hinter leeren Gesten auf Facebook zu verstecken, die ihr nur abgebt, wenn es euch passt. Hört auf, euch zum Mittelpunkt zu machen, und fangt endlich an, nachzudenken, wie ihr das Leben von LGBTI+-Menschen einfacher machen könnt, wie ihr diejenigen bestrafen könnt, die den brutalen Mord des gestörten Jungen im Internet legitimieren, und nicht zuletzt, wie ihr uns alle schützen werdet, damit so etwas nie wieder passiert“, schrieb er ihnen ins Stammbuch.

Sich im Fernsehen als Mitglied der LGBTI-Community zu outen sei „das mindeste“, was er nach dem Anschlag machen habe können, erklärte Iliev am Montag in einem Interview mit dem Tschechischen Radio . Er habe viele positive Reaktionen erhalten, einige sogar zu ihrem eigenen Coming Out bewegt.