Dienstag, 28. Mai 2024
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Hochbegabt und kaltblütig: Wer war der Attentäter von Bratislava?

Welche Schuld spielt die aufgeladene Stimmung der slowakischen Innenpolitik?

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Einen Tag, nachdem ein 19-Jähriger vor einer queeren Bar Tepláreň in der Altstadt von Bratislava zwei junge Männer erschossen und eine Frau verwundet hat, stellen sich Fragen – und Kritik an der Regierung.

Wenige Stunden vor dem Angriff postete Jura K. ein verstörendes Manifest

Zunächst stellt sich die Frage, wie sich der Attentäter radikalisieren konnte und ob der Anschlag verhindert werden hätte können: Wie die slowakische Tageszeitung SMK berichtet, ging Juraj K. in der slowakischen Hauptstadt auf ein Gymnasium für Hochbegabte und nahm an nationalen Wettbewerben teil, etwa im Programmieren oder die Englisch-Olympiade.

Doch wenige Stunden vor dem Angriff veröffentlichte der Sohn eines rechtspopulistischen Politikers ein hasserfülltes Manifest, das den Schriften anderer Attentäter ähnelt. Dort beschreibt er sein Leben und die Ansichten, die seiner Meinung nach zu dem Angriff geführt haben. Es ist verstörend, voll Schwulen- und Judenhass.

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„Ich empfinde keine Reue, ist das nicht lustig?“

Nach der Attacke bekannte er sich auf Twitter zu den Morden. “Ich empfinde keine Reue, ist das nicht lustig?”, schrieb er beispielsweise auf seinem inzwischen gelöschten Account. Es folgte ein weiterer Tweet mit den Hashtags, Gaybar, Bratislava und Hate Crime. Bereits am Tag vor dem Anschlag schrieb er, dass er sich “bereits entschieden” hatte.

Doch bei all der Trauer über die Toten – in der slowakischen LGBTI-Community gibt es auch jede Menge Wut. “Angesichts der Polarisierung der Gesellschaft und des Hasses war es nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert”, meint etwa die Aktivistin Nikoleta Preložníková. Denn vor den Parlamentswahlen wurde von Populisten auch auf Kosten sexueller Minderheiten Stimmung gemacht.

Das politische Klima in der Slowakei hat den Boden für diese Tat geebnet

Und mit ihrer Meinung ist sie nicht alleine: „Der langfristig auch durch dumme und verantwortungslose Äußerungen von Politikern geschürte Hass gegen eine Minderheit“ sei auch verantwortlich für das Verbrechen, meinte auch die liberale slowakische Staatspräsidentin Zuzana Čaputová auf Facebook.

„Ich sage seit drei Jahren, dass Worte auch Waffen sind. Dass wir Politiker für jedes einzelne Wort verantwortlich sind, das wir sagen“, so die Präsidentin weiter: „Und doch füllen so viele hier skrupellos den Raum mit Hass. Es macht mich wütend, dass selbst einige Staatsanwälte und Richter verbale Verbrechen nicht schätzen und gefährlich finden.“