Mittwoch, 17. April 2024
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Jagd auf die Community: Grindr warnt User in Ägypten vor der Polizei

Die unter Schwulen und bisexuellen Männern beliebte Dating-App Grindr warnt alle ihre User in Ägypten: Sie sollen wachsam sein, da sie Polizei die App dazu verwende, um gegen queere Männer vorzugehen.

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„Wir sind darauf aufmerksam gemacht worden, dass die ägyptische Polizei aktiv Verhaftungen von LGBTI-Personen vornimmt. Sie verwenden gefälschte Konten und haben auch Konten von echten Community-Mitgliedern übernommen, die bereits verhaftet wurden und deren Telefone beschlagnahmt sind. Bitte sei online und offline besonders vorsichtig – auch bei Konten, die in der Vergangenheit vertrauenswürdig erschienen“ – diese Warnung auf Englisch uns Arabisch bekommen User, die die beliebte Gay-Dating-App Grindr derzeit in Ägypten öffnen.

Die ägyptischen Behörden machen Jagd auf die LGBTI-Community

Die Warnung hat einen ernsten Hintergrund: Denn in den letzten Monaten haben sich Berichte gehäuft, dass ägyptische Polizisten gezielt Mitglieder der LGBTI-Community über Dating-Apps und Plattformen wie WhatsApp, Facebook oder Instagram finden, um sie dann zu verhaften, zu schlagen und zu misshandeln.

Berichten aus der ägyptischen LGBTI-Community zufolge setzt die ägyptische Polizei auch Spitzel ein, die auf verschiedenen Dating-Apps – unter anderem auch Tinder oder Bumble – User „verführen“ sollen, damit sie dann verhaftet werden können. Die Polizei missbraucht auch User-Profile von bereits verhafteten Männern, bei denen die bekannten Kontakte keinen Verdacht schöpfen. 

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Mehr als 150 Verhaftungen?

Wie die britische LGBTI-Newsseite PinkNews berichtet, sollen bereits mehr als 150 Personen von der ägyptischen Polizei verhaftet worden sein. „Meine Freunde und ich haben eine Sprachnachricht bekommen, dass 28 Homosexuelle von der Polizei verhaftet wurden und sie dann bedrängt wurden, ihre Freunde zu kontaktieren, damit diese auch verhaftet werden können“, zitiert das Online-Magazin einen Ägypter.

„Vor einigen Monaten wurde einer unserer Freunde tot aufgefunden“, berichtet der Mann. Er verlasse das Haus nur, wenn ihn jemand mit dem Auto mitnimmt. „Ich habe wirklich Angst, wenn ich das Haus verlasse. Ich werde abgeschlachtet werden wie ein Huhn“, sagt er.

Menschenrechtsorganisation kritisiert Grindr: Tun zu wenig

Grindr betont, den Schutz der LGBTI-Community in den betroffenen Ländern ernst zu nehmen. Man arbeite mit Organisationen vor Ort, „um sicherzustellen, dass unsere User aktuelle Informationen haben, um sicher zu bleiben“, so ein Sprecher der Betreiberfirma gegenüber PinkNews.

Doch dem widerspricht die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Sie wirft digitalen Plattformen wie Facebook, Instagram oder Grindr vor, zu wenig zu tun, um die LGBTI-Community in Ägypten wirklich zu schützen. 

Im Februar hatte die Organisation einen Bericht zur Verfolgung queerer Personen im Nahen Osten und in den Maghreb-Staaten veröffentlicht. Ein Punkt, der kritisiert wurde: Die Tech-Unternehmen würden Inhalte in arabischer Sprache nicht ausreichend prüfen.

Wenn das Grindr-Date in Wirklichkeit Polizist ist

Der Bericht zitiert den Fall eines 27-jährigen Ägypters. Er sei nach einem Grindr-Date von der Polizei festgenommen worden. Dort wurde er ohne Essen und Trinken so lange festgehalten und geschlagen, bis er sich zu seinen angeblichen „Ausschweifungen“ bekannt habe. Später stellte sich heraus, dass sein Datingpartner in Wahrheit einer der Beamten gewesen sei.

Rechtlich ist Homosexualität in Ägypten nicht verboten. Die Behörden nutzen jedoch oft Vorwürfe wie „Unzucht“ oder „Verletzung des öffentlichen Anstand“, um gezielt Lesben, Schwule, trans Personen und andere Menschen aus der Community zu verfolgen. Ägypten ist seit Langem für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Grundrechtsverletzungen bekannt.

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