Montag, 17. Juni 2024
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Rosa Lila Villa in der Nacht von Rechtsextremen angegriffen

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist die Türkis Rosa Lila Villa von Rechtsextremen attackiert worden. Wiens älteste Community-Einrichtung nimmt den Angriff betont gelassen und will nicht nachgeben.

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In einer Nacht- und Nebelaktion brachten rechtsextreme Aktivist:innen in der Nacht auf heute, Mittwoch, gegen 5.00 Uhr ein Transparent und Plakate an der Fassade der Türkis Rosa Lila Villa an und zündeten ein bengalisches Feuer. Beim bekannten Community-Zentrum und queeren Wohnprojekt an der Linken Wienzeile gibt man sich nach der Aktion betont gelassen. „Nach ein paar Minuten war ihre Aktion vorbei“, heißt es seitens des Vereins „Türkis Rosa Lila Tipp“.

Drag-Lesungen für Kinder empören die rechte Szene

Die Villa wurde zuletzt in rechten Chatgruppen verstärkt angegriffen, weil im April im queeren Community-Café „Villa Vida“, das sich ebenfalls im Gebäude befindet, Drag Queens aus Kinderbüchern vorlesen. So rechtfertigten die Rechtsextremen auch diese Aktion mit „Kinderschutz“, hetzten gegen die geplanten Veranstaltungen und forderten eine Schließung der Türkis Rosa Lila Villa.

Marty Huber, die seit den 1990er Jahren in der Villa aktiv ist, sagt zum Vorfall: „Regenbogenfamilien sind ein wichtiger Teil dieser Community. Kinderbuchlesungen sind Teil dieses Lebens, Drag Queens vermitteln diese Freude ohne Angst und ohne Stigma an den Möglichkeiten der Vielfalt teilzuhaben”. Die Lesungen seien „offen für alle Familien, die für sich und ihre Kinder eine andere Welt als das lächerliche Patriarchat erträumen”, so Huber weiter.

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Türkis Rosa Lila Villa sieht Mitschuld bei Teilen der Politik

Eine Mitschuld für Anschläge durch rechte Aktivist:innen sehen die Villa-Verantwortlichen auch in der Politik. „Die immer wieder aufkeimenden Sticheleien durch Politiker*innen und Personen des öffentlichen Lebens ermutigen Menschen ihren Hass auszuleben und befeuern ein Klima der Unsicherheit, dessen Folgen gefährlich werden können“, heißt es in einer Stellungnahme: „Die Politiker*innen und öffentliche Personen, die in dieser Form Hass befeuern, sind für die Angriffe, die ihren Worten folgen, zur Verantwortung zu ziehen.“

Auch für die SPÖ, die wenige Stunden nach dem Angriff einen Solidaritätsbesuch bei der Rosa Lila Villa absolvierte, war klar, dass der Angriff „eine direkte Reaktion auf die Hetze gegen Kinderbuchlesungen seitens der Wiener FPÖ war“: „Die rechte Hetze und der Kulturkampf in Trump-Manier haben handfeste Konsequenzen“, so Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ.

SPÖ bekundet ihre Solidarität mit den Aktivist:innen

„Rechtsextreme greifen ein Community-Zentrum an, während Menschen dort schlafen, und Familien müssen am Weg zu Kinderbuchlesungen durch einen Polizeikorridor: Die Einzigen, die Kinder gefährden, sind die Hetzer*innen von der FPÖ“, ärgert sich Lindner. Er hat die Rosa Lila Villa gemeinsam mit anderen SPÖ-Politiker:innen wie den Wiener Gemeinderäten Nicole Berger-Krotsch und Stephan Auer-Stüger sowie dem offen schwulen Bezirksvorsteher von Mariahilf, Markus Rumelhart, besucht.

Sie alle betonen ihre volle Solidarität mit dem queeren Zentrum. „Einmal mehr greifen Rechtsextreme einen Ort der LGBTIQ-Community an – dieser feige Angriff traf heute ein Haus, in dem nicht nur Veranstaltungen stattfinden, sondern in dem auch Menschen leben. Das ist absolut inakzeptabel und darf in einer demokratischen Gesellschaft null Toleranz erleben! Unsere volle Solidarität gilt den Aktivist*innen der Villa!“, so Lindner.