Freitag, 1. März 2024
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Drag-Queen-Lesung in der Villa: Keine Schutzzone gegen rechte Demo

Kein Platzverbot gibt es am Sonntag vor der Türkis Rosa Lila Villa. Während im Community-Zentrum eine Drag-Queen-Lesung für Kinder stattfindet, demonstrieren davor Rechtsextreme und christliche Fundamentalist:innen.

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Seit Wochen machen rechtsextreme Gruppe wie die Identitären, christliche Fundamentalisten oder die FPÖ gegen die Drag-Queen-Lesung in der Türkis Rosa Lila Villa an der Linken Wienzeile mobil. Organisator:innen wie Polizei rechnen mit mehreren hundert Teilnehmer:innen, in einer Seitengasse ist eine Gegendemonstration der LGBTI-Community angemeldet. 

„Inakzeptabel, dass Kinder durch rechte Demo eskortiert werden müssen“

Insgesamt sind bei der Landespolizeidirektion Wien sieben Versammlungen angezeigt worden. LGBTI-Aktivist:innen sowie Politiker:innen der SPÖ und der Grünen haben deshalb eine Schutzzone vor der Villa gefordert. 

„Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Kinder und Familien auf dem Weg zu einer Kinderbuchlesung durch rechte Demonstrationen eskortiert werden müssen“, meinte etwa SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner gegenüber der Austria Presse Agentur (APA). Das Einzige, was bei diesen Lesungen Kinder gefährde, „sind rechtsextreme Störaktionen und die politische Hetze der FPÖ“, so Lindner.

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Schutzgitter statt Platzsperre, Linke Wienzeile gesperrt

Doch wie die Polizei heute bekanntgegeben hat, wird es – wie es sich bereits abgezeichnet hat – keine Schutzzone geben, da bisher „keine expliziten Aufrufe zu Gewalt oder sonstigen Eskalationen“ bekannt seien. Stattdessen gibt es nur einen Schutzbereich. Schutzgitter sollen ein Aufeinandertreffen der Demonstrant:innen mit Teilnehmer:innen der Gegendemonstration verhindern. Die Linke Wienzeile ist am Sonntag ab 7.00 Uhr gesperrt.

Dass es keine großflächige Schutzzone gibt, kritisiert unter anderem Denise Van de Cruze von der Villa Vida Café, in dem die Lesung stattfindet. „Es zeigt, wo die Prioritäten bei der Polizei liegen: nämlich die rechtsextreme Demo zu schützen und nicht die Villa, die Lesung/Show für Kinder, Regenbogenfamilien oder queeren Safe Spaces“, sagt sie dem ORF Wien .

Für die Organisator:innen ist die Entscheidung der Polizei nicht nachvollziehbar

„Für uns ist zudem nicht nachvollziehbar, warum die Behörden die aufgehetzte Stimmung in den rechtsextremen Telegram-Kanälen nicht als Eskalationspotential und Gefahr betrachtet“, so Van de Cruze, die sich auch im zivilgesellschaftlichen Bündnis „Wien ist queer. Drag is not a crime“ engagiert.

Die Wiener Polizei betont, dass sie „im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrages mit ausreichenden Polizeikräften für einen geordneten Ablauf des Versammlungsgeschehens und den Schutz der Veranstaltung sorgen“ werde. Van de Cruze kann hingegen nicht verstehen, wie die Polizei so ihrem Schutzauftrag gegenüber Gruppen wie Kindern und Jugendlichen, die die Lesung besuchen, nachkommen will.

Grüne: „Polizei schützt lieber rechtsextreme Demo“

Kritik kommt auch von den Grünen. „Anstatt die Türkis Rosa Lila Villa, ihre Bewohner:innen, Kinder, Regenbogenfamilien und queere Menschen zu schützen, schützt die Polizei lieber die rechtsextreme Demo. Noch immer ist für uns nicht ersichtlich, wie die Polizei sicherstellen will, dass Kinder und ihre Familien ungestört und sicher zu und von dieser Lesung kommen können“, ärgern sich Katharina Schöll und Emir Dizdarević, Sprecher:innen der Grünen Andersrum Wien.

Der Schutz der Türkis Rosa Lila Villa, ihrer Bewohner:innen und der Drag Veranstaltung für Kinder müsse in der Regenbogenhaupstadt Wien absolute Priorität haben, fordert auch die Grüne Gemeinderätin Viktoria Spielmann. Der zuständige Stadtrat Christoph Wiederkehr von den Neos stellt sich hinter die Veranstaltung: „Ich sehe Wien als vielfältige, tolerante Stadt. Es ist gut, dass es solche Kinderbuchvorlesungen gibt, und diese gehören geschützt“, sagt er.

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