Donnerstag, 30. Mai 2024
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Schwimmweltcup: Keine Anmeldungen für „offene Kategorie“

Dieses Wochenende hätte es in Berlin eine Premiere gegeben: Beim Schwimmweltcup sollte zum ersten Mal eine offene Kategorie für trans Männer und Frauen geben - nun wurde sie mangels Anmeldungen gestrichen.

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Wie mit trans Athlet:innen umgegangen werden soll, wird innerhalb der großen Sportverbände heftig diskutiert. Besonders über die Teilnahme von trans Frauen wird hitzig diskutiert – Gegner:innen – vor allem aus dem konservativen Lager – sprechen von einem unfairen Vorteil, Befürworter:innen von gelebter Gleichberechtigung. Für die Verbände ist dieser Streit ein Dilemma, das oft mit dem Ausschluss von trans Athlet:innen endet.

Keine Anmeldungen für „bahnbrechendes Projekt“

Der Schwimm-Weltverband World Aquatics hat versucht, dieses Dilemma durch die Schaffung einer „offenen Kategorie“ zu lösen. „Dieses bahnbrechende Pilotprojekt unterstreicht das Engagement der Organisation für Inklusion, die Schwimmer aller Geschlechter und Geschlechtsidentitäten willkommen heißt“,  hieß es nach dem Beschluss im August in einer Mitteilung.

Premiere sollte die neue Kategorie für trans Menschen beim Schwimmweltcup haben, der dieses Wochenende in Berlin stattfindet. Allerdings: Bis zum Meldeschluss am vergangenen Samstag gab es keine einzige Anmeldung – die Kategorie wurde nun gestrichen. Das Konzept, das von trans Aktivist:innen als ausschließend kritisiert wurde, ist vorerst gefloppt.

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Weltverband will an „offener Kategorie“ festhalten

Trotzdem möchte World Aquatics an dem Konzept festhalten. „Die Arbeitsgruppe ‚Offene Kategorie‘ wird ihre Arbeit und ihr Engagement fortsetzen. Auch wenn derzeit auf dem Elite-Niveau keine Nachfrage besteht, plant die Arbeitsgruppe die Prüfung der Möglichkeit, künftig Wettbewerbe der Offenen Kategorie bei Masters-Veranstaltungen durchzuführen“, teilte sie mit.

Der Deutsche Schwimmverband (DSV) bestärkt den Weltverband dabei. „Wir bedauern es sehr, dass die Initiative augenscheinlich keinen Anklang gefunden hat. Umso wichtiger ist es jetzt, aktiv Ursachenforschung zu betreiben, zuzuhören und zu lernen, um funktionierende Ideen für zukünftige Projekte zu entwickeln“, zitiert der RBB DSV-Vizepräsident Kai Morgenroth.

Sportverbände nicht einig, wenn es um trans Athlet:innen geht

Unter den Sportverbänden gibt es keine einheitliche Regelung, wie mit trans Athlet:innen umgegangen werden soll: Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics möchte das Thema in einer Arbeitsgruppe lösen, die im Laufe dieses Jahres erstmals zusammentreten soll.

Der Radsport-Weltverband UCI schließt alle trans Sportlerinnen, die die männliche Pubertät durchlaufen haben, von seinen Bewerben aus. Für Verwunderung sorgte das strenge Vorgehen des Schach-Weltverbands FIDE: Dort müssen trans Spielerinnen eine Überprüfung durchlaufen, die bis zu zwei Jahre dauern kann. Auch die führenden Rugbyverbände Englands haben die Teilnahme von trans Frauen bei Frauenbewerben untersagt.