Italien: Vater überfällt seinen Sohn und dessen Freund

Liebespaar auf dem Parkplatz überfallen und krankenhausreif geprügelt

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Ein Raubüberfall, der Mitte Mai in der norditalienischen Region Piemont stattgefunden hat, entpuppte sich im Laufe der Ermittlungen als homophobes Hassverbrechen: Nun nahm die Polizei den Vater des 18-jährigen Freundes des Opfers fest.

Zuerst das falsche Auto erwischt

Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 16. Mai vor den Toren von Alba, einer Kleinstadt im Piemont: Zwei maskierte Männer, die unter anderem mit Baseballschlägern bewaffnet waren, griffen zunächst auf dem Parkplatz bei einer Tankstelle einen Wagen an und verletzten die beiden Insassen leicht.

Dann gingen sie zum nächsten Auto weiter. Dieser Wagen war offenbar ihr wirkliches Ziel: In ihm saß ein junges schwules Paar. Die Täter attackierten die Männer mit ihren Baseballschlägern, Tritten und Faustschlägen.

Drei Monate Krankenhaus für den schwulen Sohn

Hauptziel der Angreifer war offenbar ein Mann um die 20 Jahre mit marokkanischen Wurzeln, der nun drei Wochen im Krankenhaus verbringen muss. Seinen 18-jährigen Freund, Sohn eines anerkannten Geschäftsmannes der Region, haben die Täter noch schlimmer gequält: Er kann das Krankenhaus frühestens nach drei Monaten verlassen. Die Angreifer, die auch eine Pistole bei sich trugen, konnten zunächst unerkannt fliehen.

Über den Grund des Angriffs tappte die Polizei lange im Dunkeln: Für einen versuchten Raub wäre die Wahl der Opfer unpassend, auch ein rassistisches Motiv wollten die ermittelnden Beamten nicht ausschließen – bis sie am Freitag den Vater des 18-jährigen Italieners festnahmen.

Sohn heimlich verfolgt und dann beim Date verprügelt

Der Geschäftsmann kam offenbar mit der Homosexualität seines Sohnes nicht zurecht. Nachdem sämtliche Versuche fehlschlugen, den Sohn zur Aufgabe seiner Beziehung zu bewegen, soll er die Sache mit einem Bekannten, einem Handwerker aus Alba, selbst in die Hand genommen haben: Den Ermittlungen zufolge verfolgte er heimlich seinen Sohn und erfuhr so auch von dem Treffen mit dessen Freund.

An der Tankstelle wollte der Vater mit seinem Bekannten das junge Paar schließlich überfallen, erwischte zunächst aber das falsche Auto, da er nicht wusste, wie der Marokkaner aussah. Der Mann, für den die Unschuldsvermutung gilt, streitet alle Zusammenhänge mit dem Überfall auf seinen Sohn ab. Doch die Überwachungskameras und Zeugenaussagen der Opfer gaben den Polizisten einen genauen Eindruck von dem, was auf dem Parkplatz passiert ist.

Hassverbrechen werden in Italien nicht schärfer bestraft

Allerdings wurde bei dem Mann eine Pistole gefunden, die er auch bei der Tat mitgehabt haben könnte. Ihm droht nun eine Anklage wegen Sachbeschädigung, schwerer Bedrohung und Körperverletzung. Fremdenfeindlichkeit als zusätzliches Motiv wollen die Beamten nicht ausschließen.

Als rechtliche Konsequenz fordert die größte italienische LGBT-Organisation Arcigay, dass Homo- und Transphobie künftig bei einer Tat strafverschärfend gewertet werden. Dass solche Taten nicht schärfer bestraft würden „schafft ein Gefühl von Verständnis und Legimität für diese Taten“, erklärt Gabriele Piazzoni, Geschäftsführer von Arcigay. Die Organisation fordert deshalb in Italien ein entsprechendes Gesetz für Hassverbrechen.