Bischof Fischer könnte zurücktreten

Der umstrittene Vorarlberger Bischof Elmar Fischer dürfte in absehbarer Zeit zurücktreten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner aktuellen Ausgabe. Fischer hatte unter anderem Homosexualität für heilbar gehalten.

Im Februar 2009 hatte der 73-Jährige für Empörung gesorgt, als er in einem Interview mit dem ORF Vorarlberg Homosexualität als psychische Krankheit bezeichnete. Für ihn sei sie keine alternative Sexualform, sondern mit Alkoholismus oder Angstneurosen vergleichbar, so Fischer damals. Er meinte auch, dass Homosexualität wie Alkoholismus „in vielen Fällen heilbar“ sei. Wie andere psychisch Kranke seien auch Homosexuelle in der Kirche willkommen, so Fischer. Schließlich würden ja auch Angstneurotiker nicht aus der Kirche ausgeschlossen werden, so der gelernte Psychotherapeut damals.

Wenige Tage später musste der Vorarlberger Oberhirte zurückrudern: „In meinem Interview ging ich von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur aus“, so Fischer damals in einer Aussendung.

Doch diese Aussagen waren kein einmaliger Ausrutscher: Als Prälat wollte er im Jahr 1996 eine Lesben- und Schwulenveranstaltung in Dornbirn verhindern. Damals schickte er ein mehrseitiges Rundschreiben an alle Pfarren in Vorarlberg, in dem er Studien zitierte, nach denen fast die Hälfte aller Homosexueller beim Sex Drogen nehmen würden und „gewisse geistige Störungen unter Homosexuellen mit weitaus höherer Häufigkeit“ vorkämen. Außerdem behauptet er damals, von zehn Homosexuellen würden drei an Orgien teilnehmen, einer sei Sadomasochist und einer hätte eine Vorliebe für Minderjährige. „Diese Gruppe kann also nicht als ‚gay‘ (=lustig) bezeichnet werden“, so Fischers damalige Schlussfolgerung.

Der Rücktritt Fischers würde allerdings nicht mit seinen Aussagen zur Homosexualität zusammenhängen, sondern mit dem aktuellen Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche. Seine Aussagen über „gesunde“ Watschen, sowie seine gewalttätigen Übergriffe auf Zöglinge in den sechziger und siebziger Jahren haben zu einer breiten Front der Ablehnung auch innerhalb des Klerus geführt. Zahlreiche Vorarlberger Priester fordern Fischer mittlerweile offen zum Rücktritt auf, um den Weg für „Erneuerungen“ frei zu machen.

Dieser Rücktritt könnte – so „profil“ – nun bevorstehen. In etwa zwei Wochen soll ein Bericht über die Misshandlungen Fischers vorliegen. Dieser dürfte die Empfehlung andeuten, Fischer solle sich zumindest entschuldigen. Große Teile des Vorarlberger Klerus erwarten bald danach einen Rücktritt wegen „angeschlagener Autorität“, verursacht durch Medien-Berichterstattung, berichtet das Nachrichtenmagazin.