Kinder lesbischer Eltern sind ausgeglichener

Kinder, die in lesbischen Haushalten aufwachsen, sind psychologisch stabil und weniger verhaltensauffällig als jene mit heterosexuellem Umfeld. Das ist das Ergebnis einer fast 25 Jahre dauernden Studie der University of California in San Francisco, die gestern in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht wurde.

Dabei hat Studienleiterin Nanette Gartrell seit den frühen 1990er Jahren insgesamt 78 lesbische Paare in Boston, San Francisco und Washington begleitet. Die Frauen wurden während der Schwangerschaft oder der Befruchtung befragt, und als die Kinder 2, 5, 10 und 17 Jahre alt waren.

Auch die Kinder, die heute zwischen 18 und 23 Jahren alt sind, wurden während dieser Zeit vier Mal befragt und mussten mit 17 einen Online-Fragebogen ausfüllen. Schwerpunkte bei der Befragung der Kinder waren ihr psychischer Zustand, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familienmitgliedern sowie ihr Fortschritt in der Schule. Dabei wurde die „Child Behavior Checklist“ verwendet, eine weit verbreitete standardisierte Methode, um Verhaltensauffälligkeiten und soziale Probleme von Kindern und Jugendlichen festzustellen.

Die Ergebnisse wurden mit denen von Kindern aus heterosexuellen Elternhäusern verglichen – das Ergebnis überraschte Gartrell: „Ich habe angenommen, dass es den Kindern gleich gut geht wie denen der Vergleichsgruppe.“ Aber die Kinder aus lesbischen Familien haben höhere Kompetenzen, vor allem im sozialen und akademischen Bereich. Und sie liegen bei aggressivem Problemverhalten unter dem Durchschnitt.

Das könnte an dem verstärkten Einsatz der Mütter für ihre Kinder liegen und daran, dass die Schwangerschaften gut geplant würden, vermutet Gartrell: „Die Mütter waren älter – sie haben auf eine Möglichkeit gewartet, Kinder zu bekommen und das Alter bringt Reife und bessere Elternschaft.“

Eine weitere Erkenntnis: Teenager, die von Gleichaltrigen wegen der sexuellen Orientierung ihrer Eltern angefeindet wurden, haben tragen keinen bleibenden psychologischen Schaden davon. „Das führt uns dazu, zu fragen, warum das so ist und wie junge Menschen mit Diskriminierung umgehen. Das wird in zukünftigen Studien ein Thema sein“, so Gartrell.

Für die Forscherin ist auf jeden Fall klar: Einschränkungen bei Kindesfürsorge und künstlicher Befruchtung aufgrund der sexuellen Orientierung sind wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen.