Freitag, 23. Februar 2024
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300 Teilnehmer bei Lesben- und Schwulenumzug in Istanbul

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In Istanbul haben am Sonntag etwa dreihundert Lesben, Schwule und Transgender für ihre Rechte demonstriert.

Bei ihrem Zug durch die türkische Stadt riefen sie Parolen wie „Weder ein Verbrechen, noch eine Sünde, es lebe die homosexuelle Liebe“. Einige Teilnehmer riefen auch „Homosexuelle sterben und der Staat sieht es nicht“ und verlasen anschließend die Namen mehrerer türkischer Lesben, Schwule und Transgender, die in den letzten Monaten Opfer homophober Morde wurden.

Das Verhältnis der Türkei zu Lesben, Schwulen und Transgender ist gespalten: So ist die Türkei eines der wenigen islamisch geprägten Länder, in denen Homosexualität nicht gesetzlich verboten ist. Allerdings versuchen konservative Politiker immer wieder die Arbeit von LGBT-Organisationen zu untergraben, in dem sie diese verbieten wollen: Insgesamt fünf Organisationen mussten bislang vor Gericht um ihr Existenzrecht kämpfen, weil sie laut Staatsanwaltschaft „gegen die moralischen Prinzipien der Türkei“ verstoßen. Homosexuelle und Transgender sind in der Türkei auch immer wieder schweren Angriffen und Gewalt ausgesetzt. Besonderen Schutz, zum Beispiel in Form Eingetragener Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare, ist kein Thema.

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Auf der anderen Seite gilt die schwule Partyszene von Istanbul als eine der schillerndsten und am schnellsten wachsenden in Europa. Auch gelang vielen Homo- und Transsexuellen etwa eine beachtliche Schauspiel- oder Musikkarriere.

Und sogar konservative türkische Politiker können in dieser Frage durchaus tolerant sein: Als Frauen- und Familienministerin Selma Aliye Kavaf in einem Interview mit der Tageszeitung „Hürriyet“ Homosexualität als „biologischen Defekt“ und als „Krankheit“ bezeichnet hatte, erntete sie nicht nur bei Menschenrechtlern Kritik, sondern auch innerhalb in ihrer eigenen religiös-konservativen Regierungspartei AKP: Gesundheitsminister Recep Akdag ließ seine Kollegin wissen, dass er Homosexualität nicht als Krankheit sehe, also auch keinen Grund habe, etwas dagegen zu tun. Für ihn sei Homosexualität ein Fall für „Freiheiten“, also Toleranz und Gleichberechtigung, und gehöre in den Wirkungsbereich von Kavaf.