[Video] Hassverbrechen erschüttert Belgien

Ein Hassverbrechen erschüttert Belgien: Der 32-jährige Ihsane Jarfi wurde letzten Dienstag tot auf einem Feld gefunden – vor seinem Tod wurde er offensichtlich schwer misshandelt. Die mutmaßlichen Täter rechtfertigten sich in einer ersten Einvernahme damit, dass ihnen ihr Opfer sexuelle Avancen gemacht haben soll.

Das letzte Mal wurde Jarfi lebend am 22. April um 4 Uhr früh gesehen, als er einen Schwulenclub im ostbelgischen Lüttich verließ und in einen grauen VW Polo stieg. Seine Freunde erstatteten eine Vermisstenanzeige und suchten mit Plakaten nach Ihsane Jarfi. Neun Tage später fanden Wanderer auf einem Feld in Villers-le-Temple seine Leiche – mit Verletzungen übersät.

Mit Hilfe von Handy-Ortungsdaten konnte die Polizei noch am gleichen Tag drei der vier mutmaßlichen Täter ausfindig machen. Auch der Fahrer des Wagens konnte mittlerweile festgenommen werden. Die ersten drei mutmaßlichen Täter, Jeremy W., Jonathan L., und K. Mutlu, sagten bei der Polizei aus, dass sie Geburtstag gefeiert hatten und eigentlich eine Frau zur Mitfahrt überreden wollten. Dann fanden sie aber Jarfi, der freiwillig in ihr Auto stieg und ihnen dann sexuelle Avancen gemacht haben soll. Daraufhin hätten sie ihn zuerst im Auto und dann auf dem Feld verprügelt, beraubt und dann dort zurückgelassen.

Diese Beschreibung dürfte eine harmlose Untertreibung sein, denn das Sterben von Ihsane Jarfi muß langsam und qualvoll gewesen sein: Wie die Obduktion ergab, wurde er so lange geschlagen und getreten, bis der Brustkorb zerbrach und einige Organe verletzt wurden. Auch der Kopf wurde schwer verletzt. Außerdem wurde Jarfi auch stranguliert.

Zwei der Verdächtigen sagten beim Verhör aus, dass Jarfi noch gelebt hatte, als er auf dem Feld ausgesetzt wurde. Der dritte Verdächtige streitet jeden Zusammenhang mit der Tat ab.

Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch beschlossen, die drei Verdächtigen wegen Raub, Freiheitsberaubung und Mord aufgrund von Homophobie anzuklagen. Seit einer Verschärfung des belgischen Strafrechts im Jahr 2003 werden Hass-Verbrechen härter bestraft. Es ist das erste Mal, dass in Belgien ein Mord als Hass-Verbrechen eingestuft wird.

Für die lesbischwule Organisation „Arc-en-Ciel Wallonia“ ist die Aklage eine Bestätigung. Für sie war das Verbrechen schon vor der Anklageerhebung „der erste erwiesene homophobe Mord in Belgien“. Homophobie müsse wie Rassismus ernst genommen werden, die Regierung einen Aktionsplan vorlegen. Elio Di Rupo, der offen schwule Ministerpräsident Belgiens, hat auf das traurige Ereignis reagiert und möchte sich diese Woche mit schwul-lesbischen Gruppen treffen, um über Maßnahmen gegen homophobe Gewalt zu sprechen.

Am Freitag fanden in der vollbesetzten Moschee von Bressoux die Trauerfeier und die Beisetzung von Ihsane Jarfi statt.