Bulgarischer Priester möchte Steine auf Paradenteilnehmer werfen

Am 30. Juni findet in der bulgarischen Hauptstadt Sofia bereits zum fünften Mal eine Lesben- und Schwulenparade statt. Ein orthodoxer Priester hat nun Gläubige dazu aufgerufen, die Teilnehmer mit Steinen zu bewerfen.

Evgeniy Yanakiew, Priester der südbulgarischen Stadt Sliwen, bezeichnete das Bewerfen mit Steinen als „geeignete Variante“ für Christen, sich gegen die „üble Versammlung“ zu wehren. Bürgermeister und Minister, die die Parade zugelassen haben, gehörten nach Meinung des Geistlichen mit einem Mühlstein ins Meer geworfen.

Die Organisatoren der Parade sind empört: Sie haben die Kirche aufgerufen, sich von dieser Aufforderung zur Gewalt zu distanzieren.

Auch bei Menschenrechtsgruppen stoßen diese Vorschläge für Entsetzen: Die bulgarische Vertretung des Helsinki-Komitees hat den Vorfall bei der Staatsanwaltschaft und der Bischofskonferenz der bulgarisch-orthodoxen Kirche (BOK) angezeigt. Man sei über den offenen Aufruf zur Gewalt beunruhigt, dieser Verstoße gegen die Gesetze Bulgariens und die Grundsätze der Kirche.

Doch in der bulgarisch-orthodoxen Kirche will man die Aufregung nicht verstehen: Die Menschenrechts-Aktivisten haben biblische Worte „zu buchstäblich“ verstanden, erklärt das kirchliche Internetportal „dveri.bg“: Der Geistliche hätte vielmehr Mätthäus 18,6 zitiert. Dort heißt es: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlenstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“

Der zuständige Bischof von Sliwen reagierte ausweichend: Zu den Forderungen des Priesters sagte er nichts, dafür erklärte er in Bezug auf die Homosexualität, er könne sich nicht für etwas aussprechen, wogegen die Bibel ausdrücklich sei.

Die Heilige Synode der Bulgarischen Orthodoxen Kirche verfasst jedes Jahr vor der Lesben- und Schwulenparade in Sofia eine Deklaration, die Homosexuelle verurteilt.