DFB erarbeitet Leitfaden für Spieler-Outing

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird Ende Februar ein Strategiepapier präsentieren, das Vereinen, Spielern und Fans einen Leitfaden für ein Fußballer-Coming-Out geben soll. Das bestätigte der DFB am Mittwoch dem Internet-Portal „news.de“.

„interner Handlungsleitfaden“ soll „Hilfestellung leisten“

Dieses Papier mit dem Titel „Umgang mit Coming-outs im Fußball“ sei ein „interner Handlungsleitfaden“, der Vereine auf ein mögliches Outing vorbereiten soll und ihnen zeigt, wie sie „und bestenfalls Hilfestellung leisten“ könnten, erklärt der Anti-Diskriminierungsbeauftragte des DFB, Gunter A. Pilz. Er leitet die Arbeitsgruppe auch. Einen konkreten Anlass für das Strategierpapier gebe es aber nicht. „Ob sich ein Fußballprofi zu einem Outing entscheidet, bleibt weiterhin die private Entscheidung jedes Einzelnen.“, so Pilz weiter.

Anlass für die Bildung der Arbeitsgruppe war das anonym geführte Interview mit einem schwulen Bundesligaspieler. Das Interview hat hohe Wellen geschlagen: Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayern-Präsident Uli Hoeneß haben diesem Spieler Unterstützung beim öffentlichen Outing zugesagt.

Neue DFB-Führung hat Wichtigkeit des Themas erkannt

„Danach haben Herr Niersbach und die Führungsriege des DFB erkannt: Wir müssen homosexuellen Spielern jetzt Unterstützung bieten. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde eine Expertenrunde mit dem Namen ‚Outing‘ gegründet“, erklärt Marcus Urban. Der einzige offen schwule Ex-Bundesligaspieler ist heute Diversity-Berater des DFB und auch Teil dieser Arbeitsgruppe. „Wir wollen die Chance beschreiben, die die Sportwelt hat, sich als nicht so intolerant zu präsentieren, wie sie beschrieben wird“, so Urban weiter zu „news.de“.

Privatsache kann die sexuelle Orientierung eines Spielers nämlich nicht sein, ist sich Urban sicher: „Im Alltag spricht jeder ständig über seine sexuelle Orientierung, das ist überhaupt keine Privatsache. Wenn das Privatsache wäre, müssten alle verheirateten Menschen ihren Ehering abnehmen, die Fotos ihrer Partner auf den Handys und Flatscreens löschen und die Bilder von Kindern und Familie von den Büro-Schreibtischen nehmen. Es geht nicht um sexuelle Details, aber es geht bitteschön darum, normal leben zu können“, sagt er „news.de“

Fußballer-Outing würde „größte gesellschaftliche Änderung“ nach sich ziehen, vermutet Urban

Sollten Fußball-Weltstars offen zu ihrer Homosexualität stehen, „werden sich Jugendliche fragen, ob ich noch so rau sein und den Macho herauskehren muss“, hofft Urban. Denn der Ex-Profi ist sich sicher: „Das Resultat wird eine gesellschaftliche Veränderung sein, die weit über die Dimension Fußball hinausgeht. Die Einführung einer Frauenquote, das Outing von Klaus Wowereit, die Homoehe sind nichts dagegen.“

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