Montag, 15. April 2024
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USA: Erneut HIV-Infektion trotz PrEP

Virusstamm war gegen die Wirkstoffe resistent

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In den USA hat sich erneut an Mann mit HIV angesteckt, obwohl er die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) genutzt hat. Das hat der HIV-Spezialist Howard Grossman von der Cleveland Clinic am Dienstag bekannt gegeben. Es ist der zweite bekannte Fall, bei dem eine PrEP nicht vor einer HIV-Infektion geschützt hat.

Beim Date mit einem resistenten Virus infiziert

Der Mann, über den keine näheren Details bekanntgegeben wurden, hat seit Jänner 2016 täglich seine PrEP-Medikamente genommen. Nun wurde er positiv auf HIV getestet. Angesteckt habe er sich nach Informationen des Arztes nicht bei seinem Partner, der HIV-positiv ist und dessen Virenlast unter der Nachweisgrenze liegt.

Stattdessen ist die Infektion über eine dritte Person erfolgt. Diese ist mit einem Virenstamm infiziert, der gegen beide PrEP-Bestandteile Tenofovir und Emtricitabin resistent ist. So konnte es zu einer Ansteckung kommen. Die beiden Wirkstoffe sind in dem Medikament Truvada kombiniert.

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HIV-Ansteckung trotz PrEP bleibt seltene Ausnahme

Der Mann ist in Behandlung und habe seine Infektion unter Kontrolle, erklärte Grossman. Er bleibt trotzdem optimistisch: „Ich glaube nicht, dass wir eine riesige Explosion an solchen Fällen sehen werden“, erklärt er. Die PrEP sei noch immer der beste Schritt, um HIV zu verhindern. Experten rechnen damit, dass unterm Strich ein Drittel der HIV-Neuinfektionen durch Truvada verhindert werden könnte.

Ein ähnlicher Fall wurde bereits im Jänner öffentlich: Da hatte sich ebenfalls in den USA ein 43-Jähriger, der seit 24 Monaten täglich seine PrEP-Medikamente genommen hatte, mit einem resistenten Virusstamm infiziert. Insgesamt nutzen mittlerweile mehr als 21.000 Männer in den USA eine Behandlung mit Truvada zur Vorbeugung einer HIV-Infektion.

Kondom für Safer Sex noch immer notwendig

Doch in der Community ist die PrEP nicht unumstritten, da sie auch zu einem risikoreicheren Sexualverhalten führen könnte. So schützt Truvada nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten, wie zum Beispiel Syphilis oder Hepatitis. Dass auch der Schutz vor HIV ebenfalls nicht absolut ist, wissen auch Experten: „Wir wissen, dass die PrEP nicht zu 100 Prozent schützt. Das ist eine Tatsache, die wir klipp und klar aussprechen müssen. Keine Prävention – außer der Abstinenz – schützt zu einhundert Prozent“, warnt Mitchell Warren, Direktor der HIV-Präventionsgruppe AVAC, im Gespräch mit der Webseite BuzzFeed.

In Europa ist Truvada seit Ende August zur Vorbeugung einer HIV-Infektion zugelassen. Verfügbar soll es Anfang des nächsten Jahres sein. In Norwegen bekommen Risikogruppen das Medikament über das Sozialsystem finanziert. Ob auch bei uns zumindest einige private Krankenversicherungen die hohen Kosten dafür übernehmen, ist noch unklar.

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