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ÖVP-Schittenhelm: Nein zur Ehe-Öffnung „muss man akzeptieren“

„Das heißt aber nicht, dass wir die andere Lebensform geringschätzen“

Dorothea Schittenhelm
Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Christian Hofer

Erneut spricht sich eine prominente Politikerin der ÖVP gegen die Öffnung der Ehe aus: In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Presse“ zeigt Dorothea Schittenhelm, Bundesleiterin der ÖVP-Frauen, dass homosexuelle Lebensgemeinschaften für sie weniger wert sind als homosexuelle.

„Die Ehe ist die Ehe.“

„Die Ehe ist die Ehe. Verpartnern können sich zwei Männer, zwei Frauen, das ist okay. Aber die Ehe ist das, was Frau und Mann verbindet. Und nur diese Verbindung führt zu Kindern“, erklärt die 62-jährige Vorsitzende der ÖVP-Frauen. Für das Gespräch wurde sie gemeinsam mit Familienministerin Sophie Karmasin befragt. Als Bekräftigung ihrer Meinung ergänzt die Nationalratsabgeordnete: „Es wollen auch nicht alle in der Homosexuellen-Community heiraten.“

Die Definition der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau sei für sie gottgegeben, so Schittenhelm – auch wenn es um die im Gesetz definierte Zivilehe geht: „Egal, wo sie nachschauen – im ‚Brockhaus‘ oder auf Google – ist das die Definition“, sagt sie der „Presse“. Eine Diskussion darüber möchte sie nicht führen: „Das ist unsere Einstellung, die wir haben, das muss man dann auch akzeptieren, so wie wir Verpartnerungen akzeptieren“, erklärt Schittenhelm. Und ergänzt: „Das heißt aber nicht, dass wir die andere Lebensform geringschätzen.“

Schittenhelm geht es um Beseitigung „wahrnehmbarer Diskriminierungen“

Für Schittenhelm gehe es „nicht darum, wie das Rechtsinstrument heißt, sondern um wahrnehmbare Diskriminierungen“, die abgebaut werden müssten. Die Definition von „wahrnehmbaren“ Diskriminierungen sollen dabei jene vornehmen, die sie nicht betreffen. So geht es unter anderem um die Einstellung der ÖVP-Frauenchefin zum „Levelling Up“, der Ausweitung des Schutzes von Lesben, Schwulen oder Transgendern vor Diskriminierung.

Hier ist die ehemalige Bürgermeisterin von Bisamberg bei Wien gegen eine Ausweitung. „Eine Wirtin muss die Möglichkeit haben, bei drei Fremdenzimmern zu bestimmen: Die Person will ich nicht. Dass es immer um Homosexuelle gehen soll, verstehe ich nicht. Mir ist noch nie jemand aufgefallen, dem man seine sexuelle Orientierung ansieht“, so Schittenhelm.

Widerspruch von Familienministerin Karmasin

Eine Meinung, die Familienministerin Sophie Karmasin nicht teilt: „Im unternehmerischen Tun sollte man aber nicht sagen dürfen: Ich gebe dir das Zimmer nicht, weil du homosexuell bist. Es ist eine Herausforderung, das Thema sachlich zu besprechen“, macht die als progressiv geltende ÖVP-Politikerin ihren Standpunkt klar.

Dafür gibt sich Schittenhelm in einem Punkt des Gesprächs für ihre Verhältnisse fast schon progressiv: So befürworte sie, dass Eingetragene Partnerschaften ab 2017 auf dem Standesamt geschlossen werden:  „Ich hätte das schon von Anfang an eingeführt. Dann haben sich aber andere Kräfte durchgesetzt. Wo die Verpartnerung stattfindet, ist zweitrangig“, erklärte sie der „Presse“.