Wiener Erzbischof Schönborn gegen „Ehe für Alle“

Ablehnung wird mit "Kindswohl" begründet: "Nenne einen Kreis einen Kreis"

Kardinal Christoph Schönborn
Life Ball

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hat sich erneut dagegen ausgesprochen, die Zivilehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen. In einem Interview, das in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ erschienen ist, begründet er das mit dem „Kindswohl“.

„In Wahrheit“ sei nur „das Kindswohl“ ein Grund für die Ehe

„In Wahrheit“ gebe es nur einen Grund für die Ehe und das sei das Kindeswohl, so der Kardinal in dem Beitrag, der mit „Nein zur Ehe für alle“ übertitelt ist. Es sei ein „natürliches Bedürfnis“ von Kindern, dass die Mutter und der Vater für das Kind gemeinsam Verantwortung übernehmen, so der Bischof weiter.

Die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau sei ein „Weg der Generationen“ und werde immer unersetzlich sein, „wenn Kinder da sein sollen und es eine Mutter und einen Vater gibt, die sich um dieses Kind kümmern wollen“, bleibt der Wiener Erzbischof auf der offiziellen Linie der römisch-katholischen Kirche.

Schönborn zitierte auch ein chinesisches Sprichwort, um die Beibehaltung des bisherigen Ehebegriffs zu rechtfertigen: „Nenne einen Kreis einen Kreis und ein Quadrat ein Quadrat. Dann wird die Politik wieder in Ordnung kommen“, so der Kardinal.

In Österreich ist die „Ehe für Alle“ vorerst gescheitert, in Deutschland empfiehlt die Kirche eine Klage dagegen

Die Debatte um die Öffnung der Ehe in Österreich erhielt durch die Einführung der „Ehe für alle“ in Deutschland neue Nahrung: Dort hat der Bundestag dafür gestimmt, die Zivilehe schwulen und lesbischen Paaren zu öffnen. Ein Fristsetzungsantrag, der am 29. Juni durch SPÖ und Grüne im österreichischen Parlament eingebracht wurde, scheiterte jedoch – unter Applaus der vermeintlich christlich-sozialen ÖVP.

In Deutschland hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx der bayerischen Staatsregierung eine Verfassungsklage gegen die Öffnung der Zivilehe nahegelegt. Die neue Regelung definiere Ehe anders als das Grundgesetz, so der Kardinal.