Fast drei Viertel der Schweizer für die Öffnung der Ehe

Repräsentative Umfrage zeigt: In allen großen Parteien ist die Mehrheit für die "Ehe für alle"

Flagge der Schweiz
Archiv

Eine überwältigende Mehrheit der Schweizer ist dafür, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Tamedia-Gruppe hervor.

So befürworten 72 Prozent der Schweizer Wähler die Ehe-Öffnung. Die Zustimmung geht dabei quer durch alle politischen Lager. Bei Grünen und Sozialdemokraten ist sie mit 88 Prozent am höchsten, doch auch bei der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) ist mit 56 Prozent eine Mehrheit der Sympathisanten für die Öffnung der Ehe.

Auch bei der rechtspopulistischen SVP ist eine Mehrheit für die Ehe-Öffnung

Dementsprechend gibt sich die SVP-Führung, die sich in der Vergangenheit immer wieder auch gegen sexuelle Minderheiten positioniert hat, eher zurückhaltend. „Die SVP ist seit jeher eine Partei, die die Freiheit des Individuums hochhält“, erklärt deren Vorsitzender Albert Rösti in der zur Tamedia-Gruppe gehörenden Gratis-Zeitung 20 Minuten: „Die Meinung vertreten gerade die Jüngeren in der Partei“.

Damit wird klar, dass radikale Positionen auch in der SVP nur eine Minderheit sind. Letzte Woche hatte der Zürcher SVP-Gemeinderat Daniel Regli mit einer Rede für Empörung gesorgt, in der er unter anderem erklärte, die Selbstmordrate bei schwulen Männern sei deshalb so hoch, „weil der Analmuskel nicht mehr hält, was er verspricht“.

Das Adoptionsrecht will die SVP aber nicht öffnen – „Das Kindeswohl ist in Gefahr“

Beat Feurer, Präsident der Gay SVP, freut sich über dieses Ergebnis. An der Basis, aber auch in der Partei habe in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden: „Spezielle Ansichten wie jene von Herrn Regli habe ich in der Partei noch nie gehört“, sagt er gegenüber 20 Minuten. Seit acht Jahren sei er wegen seiner Homosexualität in der Partei nicht mehr angefeindet worden.

Doch während die SVP bei der Öffnung der Ehe langsam einlenkt, sieht Rösti die Öffnung des Adoptionsrechts hingegen problematisch. Der Parteichef sieht hier „das Kindeswohl in Gefahr“. Eine Ansicht, die mit der Meinung der SVP-Wähler übereinstimmt: Diese befürworten ein liberaleres Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare nur zu 30 Prozent.

Auch Schweizer Christdemokraten für Ehe-Öffnung: „CDU hat auch bei Schwulenehe mitgemacht“

Eine Kursänderung in dieser Frage gibt es auch bei der Christdemokratischen Volkspartei (CVP). Die Partei wollte vor einigen Jahren die Öffnung der Ehe noch in der Schweizer Verfassung verbieten. Heute haben 66 Prozent ihrer Wähler damit kein Problem mehr. „Die CDU in Deutschland hat bei der Schwulenehe auch mitgemacht. Die Gesellschaft ist toleranter geworden – so auch die CVP-Basis“, erklärt dazu CVP-Nationalrätin Kathy Riklin.

Im Jahr 2005 haben die Schweizer in einer Volksabstimmung für die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften für schwule und lesbische Paare gestimmt, am 1. Jänner 2007 trat das entsprechende Gesetz in Kraft.