Berlin: Zehn Prozent mehr Gewalttaten gegen sexuelle Minderheiten

Erschreckende Zahlen des Anti-Gewalt-Projekts Maneo

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Noch nie hat das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo in Berlin so viele Übergriffe und Gewalttaten gegen sexuelle Minderheiten registriert: Insgesamt wurden 324 Übergriffe registriert, das sind um 33 Fälle, etwa zehn Prozent, mehr als im Vorjahr.

Fast ein Drittel der Taten waren Körperverletzungen, mehr als die Hälfte fand in der Öffentlichkeit statt

Welche Übergriffe es im Jahr 2017 gegen sexuelle Minderheiten in Berlin gegeben hat, ist im Maneo-Report aufgeschlüsselt: 31 Prozent der registrierten Delikte waren einfache und schwere Körperverletzungen, 27 Prozent waren Beleidigungen und 25 Prozent Nötigungen und Bedrohungen. In 14 Prozent der Fälle zeigten die Betroffenen Raubstraftaten an.

Besonders bedenklich: 54 Prozent der Übergriffe, das sind mehr als die Hälfte, fanden dem Maneo-Bericht zufolge in der Öffentlichkeit statt – zum Beispiel auf der Straße, in Lokalen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Geografischer Spitzenreiter ist der Berliner Stadtteil Schöneberg mit seinem schwulen Nollendorfkiez. Hier fanden 27 Prozent der gemeldeten Taten statt. Zwölf Prozent der Vorfälle ereigneten sich in Tiergarten, acht in Mitte. Kreuzberg und Neukölln liegen mit je sieben Prozent auf dem dritten Platz.

Vor allem Männer werden Maneo zufolge zu Opfern homophober Straftaten

Die Opfer der Taten, die von Maneo registriert wurden, waren vor allem schwule und bisexuelle Männer: Gegen sie richteten sich die Angriffe in 251 der Fälle. Lesbische und bisexuelle Frauen waren in 20 Fällen die Opfer. Bei weiteren 36 Übergriffen waren die Opfer Trans-Personen, 15 Fälle richteten sich gegen sexuelle Minderheiten allgemein.

Die Zahl der tatsächlich verübten Taten dürfte deutlich höher liegen: Sichtbar werde nur „die Spitze des Eisbergs“, erklärte Maneo-Projektleiter Bastian Finke. Wir hoch die Dunkelziffer wirklich liegt, lässt sich nicht schätzen. Insgesamt hatte Maneo 801 Hinweise auf Gewalttaten erhalten, das sind um 142 mehr als noch 2016. Ausgewertet werden konnten davon 407 Fälle, im Jahr zuvor waren es noch 353. Wie viele der Fälle auch bei der Polizei angezeigt werden, ist nicht bekannt.