„Institutionalisierte Homosexuellenfeindlichkeit“: LSVD kritisiert Beirat für Islam-Studium

Ausschließlich konservative Vertreter - auch mit homophoben Ansichten

Brandenburger Tor
Visit Berlin - CC BY-NC-ND 2.0

Scharfe Kritik am Berliner Senat kommt vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg: Im Beirat für das neue Institut für islamische Theologie an der Humboldt-Universität gäbe es „institutionalisierte Homosexuellenfeindlichkeit“, so die Aktivisten. Das Institut wird vom Berliner Senat bis 2022 mit 22 Millionen Euro unterstützt. Ab dem Wintersemester 2019/20 sollen Studenten an dem Institut Islamische Theologie studieren können.

Einer der vertretenen Islam-Verbände nannte die Ehe-Öffnung eine „gesellschaftliche Verirrung“

Bei der Besetzung von Professuren hat der Beirat, dem auch zwei Wissenschaftler angehören werden, ein Vetorecht aus religiösen Gründen. Der LSVD verfolge die Zusammensetzung dieses Beirats „mit größter Sorge“, heißt es in dem Brief, den LSVD-Landesvorstandsmitglieder Yasmine-Blanche Werder und Ulrich Keßler. Sie haben ihn am Montag an den offen schwulen Kultursenator Klaus Lederer von den Linken, den ebenfalls offen schwulen Grünen Justizsenator Dirk Behrendt und die für Forschung zuständige Senatskanzlei von Bürgermeister Michael Müller von der SPD geschickt.

So soll unter anderem die Islamische Gesellschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) in den Beirat einziehen. Dessen Vorstand bezeichnete die Öffnung der Ehe in einer Pressemitteilung als „gesellschaftliche Verirrung sowie eine Verwässerung jeglicher Moral“, die Öffnung durch den Deutschen Bundestag scheine der IGS zufolge „eine offensichtliche Auflehnung und Ablehnung der göttlichen Gebote anzustreben“.

In dem Beirat sind ausschließlich konservative Kräfte vertreten, kritisiert nicht nur der LSVD

Die ausschließlich konservative Besetzung des Beirats werde weder der Landesverfassung und dem dort verankerten Diskriminierungsschutz noch dem Anspruch des Koalitionsvertrages, besonders dem Kapitel „Regenbogenhauptstadt Berlin“, gerecht, so der LSVD.

Die LGBT-Aktivisten fordern deshalb den für Wissenschaft zuständigen Staatssekretär Steffen Krach von der SPD auf, tätig zu werden. Krach hatte erst kürzlich erklärt, das Institut solle „einen Beitrag zur Integration in unserer Stadt leisten und das Miteinander der Religionen fördern“.

Es ist nicht die erste Kritik am Beirat für das Islam-Institut an der Humbold-Universität: Proteste gab es unter anderem vom früheren Grünen-Politiker Volker Beck  oder Seyran Ateş, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. In einem offenen Brief Anfang 2018 schrieb sie dem Senat, der Islam in Deutschland sei „deutlich pluraler“, als im Beirat dargestellt. Weitere Kritik an dem Beirat gab es auch von Studierendenvertretern und der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus.