#TeenStarLeaks – Darum sind „Konversionstherapien“ so gefährlich

Was Teenstar empfiehlt, könnte in Malta mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden

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Für Kopfschütteln sorgen bei der HOSI Salzburg Schulungsunterlagen des christlich-fundamentalistischen Vereins Teenstar. Dieser bietet Aufklärungsworkshops in Volksschulen und Kurse für Jugendliche an, die den Zugang zu einer „ganzheitlicher Sexualität“ vermitteln sollen.

Mit Therapie, Selbsthilfegruppen und Seelsorge gegen Homosexualität

Doch dahinter steckt eine erzkonservative Weltsicht. Masturbation wird als Problem bezeichnet und Sex vor der Ehe sei zu vermeiden. Homosexualität wird in den Unterlagen als „Identitätsproblem“ bezeichnet, das „oft durch eine Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Seelsorge“ geändert werden könne.

Wenn Jugendliche in Teenstar-Kursen „homosexuelle Empfindungen“ äußern, sollen sie die Kursleiter an „gutes Fachpersonal“ und an „gute Beratungsstellen“ vermitteln, wie aus den vorliegenden Unterlagen hervorgeht. Was eine „gute Beratungsstelle“ sein soll, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Was sind für Teenstar denn „gute Beratungsstellen“?

Das möchte die HOSI Salzburg nun genauer wissen. „Wir wollen von Teenstar wissen, welche Beratungsstellen das sind. Was sind ‚gute Beratungsstellen‘ für einen Verein, der Homosexualität als Identitätsstörung sieht, der Schwangerschaftsabbrüche um jeden Preis verhindern möchte und der Transgender-Personen als krank behandelt“, so Gabriele Rothuber, Obfrau der HOSI Salzburg.

„Insbesondere die Hinweise auf Konversionstherapien machen uns große Sorgen. Es ist hinreichend bekannt, wie schädlich diese Schein-Therapien sind. Wer den Schutz von Kindern und Jugendlichen ernst nimmt, darf nicht die Schultüren für religiös-fundamentalistische Vereine wie Teenstar öffnen“, erklärt Paul Haller, Generalsekretär der HOSI Salzburg. Die LGBT-Organisation fordert deshalb ein sofortiges gesetzliches Verbot von Konversionstherapien, die nicht-heterosexuelle Orientierungen „heilen“ sollen. Unterstützung bekommt sie dabei von Fachverbänden.

Konversionstherapien: Für den deutschen Gesundheitsminister sind sie „Körperverletzung“

In einer gemeinsamen Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) und der Bundesfachgruppe Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin (BFG) sprechen sich die Berufsverbände „entschieden gegen Sichtweisen aus, die beinhalten, dass Homosexualität eine sexuelle Fehlentwicklung bzw. Erkrankung sei, die durch Interventionen korrigiert werden könnte bzw. sollte.“

Aus wissenschaftlicher Sicht können Konversionstherapien erheblichen Schaden zufügen, während keinerlei empirische Evidenz für positive Effekte von Konversionstherapien vorliege, betonen die Experten. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnete sie sogar als „Körperverletzung“. In einigen Ländern wie Malta sind sie deshalb schon verboten. Dort drohen „Therapeuten“ sogar bis zu fünf Jahre Haft. Auch das Europaparlament stellt sich gegen diese „Homo-Heilungen“.

Helga Sebernik, Religionslehrerin aus Niederösterreich und Leiterin von Teenstar Österreich, betont gegenüber der Wochenzeitung Falter, dass die Unterlagen nicht aktuell seien und „laufend aktualisiert“ würden. Welche Änderungen es in diesem Teil der Texte gab, ist nicht bekannt. Die Ausbildungsunterlagen, zwei Ordner mit mehreren hundert Seiten aus dem Jänner 2017, wurden einer Whistleblowerin der HOSI Salzburg zugespielt.