Life-Ball-Aus trifft heimische HIV-Organisationen

Soforthilfe-Aktionen der Aidshilfen stehen auf der Kippe

Flagge der Aids Hilfe Wien
Wiener Linien

Wenn am 6. Juni der letzte Life Ball über die Bühne des Wiener Rathauses geht, dann bedeutet das auch einen Einschnitt in der Versorgung von HIV-Patienten in Österreich. Denn viele Organisationen sind vom Trägerverein unterstützt worden, und sie werden ihr Angebot jetzt wohl einschränken müssen.

Schon dieses Jahr sollen österreichische Organisationen nicht mehr von den Spenden des Life Balls profitieren

Denn schon für dieses Jahr hat Keszler angekündigt, dass der Gewinn vor allem Projekten im Ausland zugute kommt: „Wir werden mit dem Reingewinn des 26. Life Ball unsere Energie jenen Regionen widmen, wo das Problem noch immer akut ist und wir Leben retten können. In Österreich wird von den Organisationen und der öffentlichen Hand hervorragende Arbeit geleistet. Daher wird es Verständnis für unsere Entscheidung geben, dass wir in der Unterstützung heuer auf internationale Projekte fokussieren“, so der Vater des Life Balls.

Doch auch in Österreich wurde das Geld in den letzten Jahren dringend gebraucht. So hat die Aids Hilfe Wien jedes Jahr bis zu 200.000 Euro vom Life Ball bekommen. Das Geld wurde dafür eingesetzt, unmittelbar in Not geratene HIV-Patienten zu unterstützen sowie Therapielücken zu schließen. „Dies können wir jetzt nicht mehr bezahlen und wissen auch noch nicht, wie wir diese Mittel ersetzen können“, erklärt Wolfgang Wilhelm, der Obmann der Aidshilfe Wien. Für das Ziel, auch in Wien Aids bis 2030 vollständig auszurotten, ist deshalb das Ende des Life Balls etwas zu früh: „Es bräuchte da aber eine verstärkte Anstrengung“, erklärt Wilhelm.

Der Aids Hilfe Wien entgehen 200.000 Euro, mit denen schnell und unbürokratisch geholfen werden konnte

Trotzdem erkennt Wilhelm die Lebensleistung von Gery Keszler uneingeschränkt an: „Es gibt niemand, der so viel für das Thema gemacht hat, wie Gery Keszler. Sogar Sportveranstaltungen finden große Sponsoren“, sagt er voll Hochachtung. Er dankte Keszler für seine „marathonartige Mega-Leistung“.

Ähnlich ist auch die Situation bei der AIDS-Hilfe Steiermark. „Es ist weltweit, österreichweit und auch für die Steiermark von Bedeutung, eine Initiative zu haben, die gegen das Stigma kämpft, das Menschen mit HIV haben“, erklärt Manfred Rupp, Geschäftsführer der AIDS-Hlfe Steiermark.

Auch in der Steiermark wird es künftig ein Auffangnetz weniger für HIV-Positive geben

Im letzten Jahr haben die Grazer 17.000 Euro aus den Spenden des Life Balls erhalten. Davon bekamen einzelne Betroffene eine Direkte Hilfe in der Höhe von 500 bis 1000 Euro. „Die sind wirklich eine wichtige Unterstützung genau dort, wo andere Sozialleistungen nicht mehr greifen können“, erklärt Rupp.

Die Betroffenen seien teilweise diskriminiert geworden oder haben prekäre Lebenssituationen – „und wenn das weg fällt, wüsste ich nicht, was wir den Menschen mit HIV sagen könnten, die auf diese Hilfe angewiesen sind“, so Rupp. Denn wie man diese Mittel künftig aubringen könnte, ist auch bei der AIDS-Hilfe Steiermark unklar. Ein solcher Betrag lasse sich durch Spenden nicht leicht aufbringen, weiß man in Graz.

Die Hoffnung der heimischen HIV-Organisationen: Der Verein „Life+“, der jedes Jahr den Life Ball veranstaltet hat, werde weiter bestehen, erklärte Keszler: „Wir werden weiterhin leidenschaftlich gegen Stigma und Ausgrenzung aufstehen und Flagge zeigen.“ In den vergangenen Jahren hatte der Life Ball knapp 30 Millionen Euro Spenden für nationale und internationale Aids-Hilfsprojekte lukrieren können.