Es ist aus: Gery Keszler verkündet Ende des Life Balls

Der Life Ball in Wien findet dieses Jahr zum letzten Mal statt.

Rathausplatz beim Life Ball
Life Ball/Christoph Leder

Der diesjährige Life Ball am 8. Juni wird der letzte sein. Das hat Organisator Gery Keszler vor wenigen Minuten bekannt gegeben. Grund dafür sind offenbar Finanzierungsprobleme. Es sei es in letzter Zeit immer schwieriger geworden, Sponsoren und Spender für den Ball gewinnen zu können, sagte Keszler gegenüber der Austria Presse Agentur (APA).

Damit bestätigte der 55-jährige Vater des Life Ball einen Bericht der Tageszeitung Heute. Diese hatte berichtet, dass Keszler bei der Siemens Academy of Life, einer Veranstaltung zur Förderung junger Talente, offen über ein Finanzierungsproblem gesprochen habe. „Wir stecken in einer großen Krise. Dieser Life Ball, der immer so glamourös und prunkvoll über die Bühne geht, ist so ein fragiles Pflänzchen und steht knapp vor dem Aus“, zitiert ihn die Gratis-Zeitung.

Weniger Sponsoren für den Life Ball, schwindende Unterstützung aus der Politik

Mehrere Sponsoren haben sich von der Veranstaltung zurückgezogen. So soll der Pharmakonzern Gilead seine Zuwendungen um eine Million Euro reduziert haben, obwohl die Geschäfte für den Hersteller des HIV-Medikaments Truvada, das auch zur Prävention verwendet wird, so gut laufen wie lange nicht.

Auch die Austrian Airlines bieten heuer keinen kostenlosen Transport der Gäste in einem speziell gekennzeichneten Flieger aus New York mehr an. „Wir finden die Sache gut“, erklärte AUA-Sprecher Peter Thier in einer Stellungnahme: „Doch sind wir wirtschaftlich heuer nicht mehr zusammengekommen.“

Und auch die Politik macht es dem Life Ball nicht leichter: „Wir merken, dass wir in die Mühlen der Politik kommen. Ich werde mich aber nicht parteipolitisch zu etwas zwingen lassen, nur damit eine Subvention kommt“, zitiert Heute Gery Keszler.

Nach 26 Jahren sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen, sagt Gery Keszler

Seit 1992 sammelte das Team um Keszler auf dem Life Ball Spenden in Millionenhöhe für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids. Doch 26 Jahre nach dem ersten Life Ball sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen: „Die Rahmenbedingungen und Umstände haben sich über die letzten Jahre sehr verändert“, so Keszler, man habe viel erreicht: „Aids hat sich von einem Todesurteil zu einer chronischen Krankheit gewandelt. Durch diesen Erfolg ergibt sich die paradoxe Situation, dass die Zahl der Verbündeten für Aids-Hilfsprojekte international und national abnimmt.“

Gery Keszler erinnerte an die Anfänge des Life Balls und dankte dabei der Stadt Wien und dem damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, der das Event ins Rathaus holte, für seine Unterstützung: „Es waren Deine Kraft und Fantasie, die uns den Rücken gestärkt haben, dieses Projekt anzugehen. Du warst ein unermüdlicher Botschafter für ein offenes und tolerantes Wien, und der Life Ball ist dafür ein weltweit sichtbarer Leuchtturm.“

Afrika als Krisenzone: Dieses Jahr keine Spenden für heimische Projekte?

Der Verein Life+, der den Ball jedes Jahr organisiert, werde aber weiter bestehen, so Keszler: „Wir werden weiterhin leidenschaftlich gegen Stigma und Ausgrenzung aufstehen und Flagge zeigen“, kündigt er an. In den vergangenen Jahren hatte der Life Ball knapp dreißig Millionen Euro Spenden für nationale und internationale Aids-Hilfsprojekte auftreiben können.

Vor allem in Afrika gebe es aber noch große Herausforderungen im Kampf gegen Aids: „Wir werden mit dem Reingewinn des 26. Life Ball unsere Energie jenen Regionen widmen, wo das Problem noch immer akut ist und wir Leben retten können. In Österreich wird von den Organisationen und der öffentlichen Hand hervorragende Arbeit geleistet. Daher wird es Verständnis für unsere Entscheidung geben, dass wir in der Unterstützung heuer auf internationale Projekte fokussieren.“

In den letzten Jahren war der Life Ball auch eine große Stütze für HIV-Projekte in Österreich. So sind etwa eine halbe Million Euro pro Jahr in nationale Projekte geflossen. Unterstützt wurden in den letzten 26 Jahren unter anderem die Aids-Hilfen, der Verein „Positiver Dialog“ oder der Buddy-Verein zur Begleitung von Menschen mit HIV und Aids. Diese werden nun offenbar dieses Jahr keine Unterstützung erhalten.

Der letzte Life Ball soll so glamurös werden wie keiner vor ihm

„Es waren unglaubliche, fantastische und intensive Jahre. Wir haben mehr bewegt, als wir je zu hoffen gewagt hätten. Ich bin so unendlich dankbar.Es ist nun Zeit, dieses Projekt zu einem guten Abschluss zu bringen“, zieht Keszler nach 26 Jahren eine positive Bilanz.

Aufgrund der EuroPride 2019 ist der Life Ball dieses Jahr erstmals Teil der Pride-Woche. Auch das Motto, „United in Diversity„, spielt auf die moderne LGBT-Bewegung deren Start vor 50 Jahren in New York an. Leitmotiv für die Style Bible war heuer der Zirkus, für die Veranstalter eine Metapher für eine frühere Zeit, als die Manege Anlaufstelle für Leute war, die „anders“ waren.

Für den Life Ball 2019 haben sich unter anderem US-Schauspielerin und amfAR-Botschafterin-Katie Holmes sowie Golden Globe-Gewinnerin Keala Settle angesagt. Die Modenschau wird zum zweiten Mal von Missoni ausgerichtet – ein persönlicher Wunsch von Gery Keszler, weil sich die Modedynastie im Kampf gegen Aids besonders engagiert. Da der letzte Life Ball viel Publikum anlocken wird, wird ab Montag, dem 13. Mai ein zusätzliches Karten-Kontingent aufgelegt.

Damit ist wohl eines klar: Wenn am 8. Juni der letzte Life Ball im Rathaus und davor über die Bühne geht, dann wird es ein Spekatakel werden, wie es zuvor noch nicht da war. Denn einen stillen Abschied können sich Organisatoren und Gäste der Kult-Veranstaltung wohl nicht vorstellen.