Gastronomie ab Mitte Mai offen, doch Szenelokale haben wenig davon

Bis zu zwei Drittel der Nachtgastronomie könnten die Krise nicht überleben

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Ab 1. Mai gelten die wegen dem Coronavirus erlassenen strengen Ausgangsbeschränkungen nicht mehr. Das hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen heute bekanntgegeben. Gastronomiebetriebe können ab 15. Mai öffnen – doch unter Bedingungen, die vielen Lokalen der Community die Freude auf das Aufsperren wohl verleiden.

Mund-Nasen-Schutz, Tischpflicht, keine Gäste an der Theke

So werden die Öffnungszeiten beschränkt, die Lokale dürfen nur von 6.00 bis 23.00 Uhr offenhalten. Auch müssen alle Gäste an Tischen sitzen. Der Ausschank an der Bar bleibt verboten. Es gibt keine freie Platzwahl: Die Regierung empfiehlt, die Tische vorher zu reservieren, um Warteschlangen zu vermeiden. Die Gäste, die beim Eintritt noch Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, werden dann vom Eingang zu ihrem Tisch geleitet.

Pro Tisch sind maximal vier Erwachsene zugelassen, größere Gruppen sind von der Bundesregierung nicht erwünscht. Für die Gäste am Tisch gelten der Mindestabstand von einem Meter und die Maskenpflicht nicht – die Tische zueinander müssen diesen Abstand schon aufweisen. Mitarbeiter, die mit Gästen in Kontakt sind, müssen zumindest einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Am Tisch dürfen sich keine Gegenstände befinden, die zum gemeinsamen Gebrauch bestimmt sind, wie zum Beispiel Salz- und Pfefferstreuer.

Köstinger: Bars können öffnen – wenn sie alle Bestimmungen einhalten

Auf die Frage, ob auch Bars aufsperren könnten, erklärte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger von der ÖVP, dass eine Bar, die „entsprechende Sitzplätze hat und Abstandsregeln eingehalten werden können“, bis 23.00 Uhr aufsperren darf. Wann Discos und Nachtbars wieder aufsperren können, dazu lasse sich laut Köstinger „keine valide Zukunftsprognose“ treffen, es ergebe sich aber „aus der Natur des Virus“ – womit sie offenbar die Abstandsregeln meint. 

Für einige Wiener Szenewirte sorgen diese Vorschriften für mehr Verzweiflung als Hoffnung. Viele Bars in der Szene sind klein und leben davon, dass sich Gäste eng gedrängt an der Theke treffen, plaudern und flirten. Ein Barbetreiber sagt gegenüber GGG.at, er wisse noch nicht, ob er ab 15. Mai überhaupt aufsperren soll – wenn statt dutzenden Gästen wie in Vor-Corona-Zeiten gerade einmal zehn bis fünfzehn vereinzelt an Tischen sitzen dürften.

Das Schicksal der Discos, Clubs, Cruising-Bars und und Saunen steht weiter in den Sternen

Größere Gruppen, wie es bei ihm die meisten Gäste seien, dürfte er dann ebenfalls nicht mehr ins Lokal lassen – dank des Vier-Personen-Limits pro Tisch. Auch die Sperrstunde um 23.00 Uhr sei für das Interesse seiner Gäste an einem Barbesuch nicht gerade förderlich, so der Wirt zu GGG.at.

Geschlossen bleiben müssten sämtliche Discos, Clubbing-Locations, Cruising-Bars, Bars ohne Tische oder Schwulensaunen. Sie werden wohl die letzten sein, die im Zuge der Corona-Maßnahmen aufsperren dürfen – wenn sie wirtschaftlich einen so langen Atem haben. Wann sie öffnen dürfen, ist noch unklar: „Mit dieser steten Ungewissheit werden gesunde Betriebe in den Ruin getrieben. Sieht so die von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bezeichnete ‚rot-weiss-rote Auferstehung‘ der österreichischen Wirtschaft aus?“, ärgert sich Stefan Ratzenberger, Sprecher der österreichischen Nachtgastronomen, in der Tageszeitung Heute.

Für größere Cafés und Restaurants sind die Bestimmungen zumindest ein Hoffnungsschimmer

Für größere Lokale mit Tagesbetrieb könnte das Aufsperren unter den neuen Regeln hingegen durchaus Sinn machen, um zumindest etwas Umsatz zu generieren – dazu zählen zum Beispiel Cafés wie das Savoy oder das Felixx sowie Restaurants wie das ROPP oder das Sixta. Das Felixx hat seine Öffnung ab dem 15. Mai mittlerweile auf Facebook schon bestätigt. Andere Wirte meinen gegenüber GGG.at, sie hofften vor allem auf das Gastgarten-Geschäft im Sommer.

Eines steht aber fest: Nach der Corona-Krise wird die Wiener Szene nicht mehr so bunt sein wie zuvor, und von dem einen oder anderen Wochenend-Wohnzimmer werden wir uns wohl verabschieden müssen. Das befürchtet auch die Vereinigung der österreichischen Nachtgastronomie: Ohne Staatshilfen würden wohl zwei Drittel der Clubs und Disco die Corona-Krise nicht überleben, so der Branchenverband.