Vatikan relativiert Papst-Aussagen zu schwulen und lesbischen Partnerschaften

Ablehnende Haltung der Kirche zu Homosexualität habe sich nicht geändert

Petersdom
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Die jüngsten Aussagen des Papstes über Eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare würden nichts an der ablehnenden Haltung der römisch-katholischen Kirche gegenüber Homosexualität ändern. Das stellte der Vatikan nun in einem Schreiben klar, das offenbar an weltweit alle Bischofskonferenzen weitergeleitet werden soll.

Der Papst sprach sich für eine rechtliche Absicherung gleichgeschlechtlicher Paare aus

Papst Franziskus hatte in ein einem Dokumentarfilm des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski, der vor zwei Wochen bei einem Filmfestival in Rom Premiere hatte, gemeint, Homosexuelle hätten das Recht, in einer Familie zu leben. Auch sie seien Kinder Gottes.

„Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht“, sagte Franziskus in dem Film. Auf diese Weise seien sie rechtlich abgesichert. Es war das erste Mal, dass ein Papst die zivilrechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen öffentlich befürwortete. Die Glaubenskongregation hatte eine solche Anerkennung unter ihrem damaligen Präfekten Joseph Ratzinger 2002 abgelehnt.

Die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, so der Vatikan

Der Vatikan wies nun darauf hin, dass in dem Film die Aussagen des Papstes, die er 2019 in einem Interview mit einem mexikanischen Sender getätigt hat, aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Die beiden Sätze hätten unterschiedliche Zusammenhänge, seien aber in der Dokumentation zu einer Antwort zusammengefügt worden. Das hätte Verwirrung gestiftet, heißt es in der Stellungnahme.

So beziehe sich dem Vatikan zufolge der Satz über das Recht auf Familie nicht auf Regenbogenfamilien – sondern darauf, dass Lesben und Schwule nicht von ihren Familien diskriminiert werden dürften. In diesem Sinn hätte sich Franziskus auch schon 2016 in seinem Schreiben „Amoris laetitia“ geäußert.

Eingetragene Partnerschaft als Möglichkeit, die Ehe-Öffnung zu verhindern

Der Satz über die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare fiel in einem anderen Teil des Interviews, in dem es um den Kampf gegen die Öffnung der Ehe in Argentinien im Jahr 2010 ging. Franziskus war damals als Erzbischof von Buenos Aires einer der schärfsten Gegner der Öffnung und bezeichnete sie sogar als „zerstörerischen Angriff auf Gottes Plan“.

In dem Interview betonte Franziskus, dass es eine „Unvereinbarkeit“ sei, von einer gleichgeschlechtlichen Ehe zu sprechen – eine rechtliche Anerkennung der Partnerschaften für ihn aber offenbar in Ordnung sei.

Das entspricht auch der Erklärung, die Catholic News Service, die Nachrichtenagentur der US-amerikanischen Bischofskonferenz, vorgelegt hat. Ihr lag eine ursprüngliche Version des Interviews aus dem Jahr 2019 vor.

Warum waren diese Aussagen nicht im ursprünglichen Interview?

Offen lässt der Vatikan aber die Frage, warum diese Aussagen nicht in der 2019 ausgestrahlten Version des Interviews zu sehen waren. Der Sender teilte mit, dass die Endfassung des Interviews vom Vatikan stamme – und dieser hatte die Aussage offenbar herausgeschnitten.

Der Vatikan erklärte, die Hinweise für ein „angemessenes Verständnis“ der jüngst bekannt gewordenen Aussagen des Papstes erfolgten auf seinen ausdrücklichen Wunsch.