TV-Legende Alfred Biolek im Alter von 87 Jahren gestorben

Er ist in seiner Wohnung friedlich eingeschlafen

Alfred Biolek
Raimond Spekking/Wikimedia - CC BY-SA 4.0

Der deutsche Entertainer Alfred Biolek ist tot. Er sei am Freitagmorgen in seiner Kölner Wohnung friedlich eingeschlafen, sagte sein langjähriger Freund und Adoptivsohn Scott Biolek-Ritchie der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Biolek, der über Jahrzehnte das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland prägte, wurde 87 Jahre alt.

Biolek wurde ab Ende der 1970er-Jahre mit Shows wie „Bio’s Bahnhof“, „Boulevard Bio“ und „alfredissimo!“ bekannt. Dabei sollte der Sohn eines Juristen eigentlich die Rechtsanwaltskanzlei seines Vaters übernehmen, studierte auch Jus. Doch als er beim frisch gegründeten ZDF einen Posten als Justitiar übernahm, war sein weiteres Schicksal vorherbestimmt: Schon bald wechselte er vor die Kamera, nachdem er schon zuvor im Schultheater und Studentenkabarett erste Erfahrungen als Unterhalter gesammelt hatte.

Mit dem Umzug nach München begann Biolek, im eigenen Umfeld offen schwul zu leben

Im Jahr 1969, nach der Lockerung des „Schwulenparagraph“ 175, fing Biolek an, „ein anderes Leben zu leben“: Er kündigt und zieht nach München. Von nun an lebte er auch sein Privatleben offen schwul, brach mit seinem bürgerlichen Dasein: Rolli statt Krawatten, Koteletten statt Scheitel. „Ich habe wild gelebt“, erinnerte er sich gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk (WDR), „und mich angezogen wie ein Hippie“.

Für den WDR holte er auch einige Jahre später die britische Comedy-Truppe Monty Python nach Deutschland, wo sie Sketches ihres „Flying Circus“ auf Deutsch einspielten – was in Deutschland auch durchaus für Verwunderung sorgte. Seinen Durchbruch als Fernsehmacher hatte er mit der Show „Am laufenden Band“, die er gemeinsam mit Rudi Carell entwickelt hatte.

30 Jahre lang steht Alfred Biolek für Unterhaltung mit Niveau

Parallel sammelte er im „Kölner Treff“ erste Moderationserfahrung. Im Jahr 1978 bekam er seine erste eigene Sendung, „Bio’s Bahnhof“. Sie wurde mit ihrer einzigartigen Mischung ein Quotenhit: Ein „Hochamt gepflegter Unterhaltung“, wie die Welt schrieb, das von guten Gesprächen mit einem aufmerksamen Gastgeber lebte.

Biolek blieb mehr als 30 Jahre lang mit seinen Sendungen eine fixe Größe im deutschen Fernsehen. Im Dezember 1994 erfand er mit „Alfredissimo“ eine Sendung, die nur auf den ersten Blick eine Kochshow war – seine Rolle war auch hier der aufmerksame Gastgeber mit einer einzigartigen Mischung aus Neugier und Diskretion, kochend verrieten die Gäste oft mehr über sich als ihnen lieb war.

Biolek wurde im Fernsehen von Rosa von Praunheim geoutet

Auch, wenn Biolek seine sexuelle Orientierung nie thematisiert hatte, war sie in der deutschen Fernsehlandschaft über Jahre ein offenes Geheimnis – bis ihn im Dezember 1991 der Filmemacher Rosa von Praunheim in der RTL-plus-Talkshow „Explosiv – der heiße Stuhl“ mit den Worten „Warum sagt Biolek nicht, dass er schwul ist?“ gegen seinen Willen geoutet hatte.

Diese Situation war für Biolek unangenehm, aber letztendlich auch heilsam: „Ich habe einen Schlag bekommen, der sehr weh getan hat, aber irgendwo hat dieser Schlag eine Verspanntheit gelöst, die danach weg war“, schrieb er in seiner Autobiografie. Er war vor allem wegen der Form verärgert, hat von Praunheim aber verziehen.

Biolek freute sich schließlich auch über die unmittelbar positiven Auswirkungen. Etwa, wenn ihm Menschen erzählen, wie ihnen sein Outing geholfen habe, sich selber zu outen oder von ihren Eltern akzeptiert zu werden.

Nach dem Ende seiner Fernsehkarriere begann eine turbulente Zeit für Alfred Biolek

Im Jahr 2006 zog sich Alfred Biolek aus dem Fernsehgeschäft zurück und von Köln nach Berlin. Dort führte er einen großen Haushalt, bewirtete den Bundespräsidenten, den Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit oder die Berlinale-Jury. Außerdem engagierte er sich zu dieser Zeit stark in der Entwicklungshilfe und im Kampf gegen Aids. Besonders die HIV-Situation in Afrika lag ihm am Herzen.

Doch dann kam das Katastrophenjahr 2010: Seine langjährige Beziehung zerbricht, seine Produktionsfirma ist insolvent – und Alfred Biolek bricht sich bei einem Sturz über eine Wendeltreppe den Arm und den Schädel. Wochenlang lag er im Krankenhaus. Unterstützt wurde er in dieser Zeit von seinem langjährigen Freund Scott, den er 2014 auch schließlich adoptiert hat.

Wieder genesen hat sich Biolek ein weiteres Mal neu erfunden: Er zog zurück nach Köln, ordnete sein Leben neu. Statt rauschender Feste lebte er nun zurückgezogen, statt Auftritten bei Galas gab es gemütliche Abende mit Freunden und gute Bücher.

Eine „Mischung aus Genuss und Disziplin“, sei sein Leben gewesen, sagte Alfred Biolek einmal. Jetzt ist der Grandseigneur der deutschen Fernsehunterhaltung im Alter von 87 Jahren in Köln gestorben.