England: Fußball-Talent Jake Daniels outet sich als schwul

17-Jähriger wird auch vom Team unterstützt, berichtet er

Jake Daniels
Screenshot: Sky Sports

In England hat sich zum ersten Mal seit 1990 ein Fußballprofi als schwul geoutet: Jake Daniels, 17-jähriges Nachwuchstalent beim Zweitligisten Blackpool FC, hat gegenüber dem Sender Sky Sports  zum ersten Mal über seine sexuelle Orientierung gesprochen.

Nach „einer so langen Zeit der Lügen“ wollte er der Welt die Wahrheit erzählen

Daniels sagte, er fühle sich bereit, nach „einer so langen Zeit der Lügen“ er selbst zu sein. Er habe „wunderbare Unterstützung“ von seine Teamkollegen erfahren, nachdem er ihnen von seiner sexuellen Orientierung erzählt habe, so Daniels gegenüber dem Sender.  „Jeder hat mich unterstützt und war so stolz auf mich, und das zeigt einfach, was für eine Verbindung wie als Team haben, und wir sind wie eine große Familie“, erzählt er.

Eigentlich sei der Stürmer davon ausgegangen, sich erst nach dem Ende seiner Karriere outen zu können: „Eine lange Zeit habe ich gedacht, ich müsse meine Wahrheit verstecken, weil ich ein professioneller Fußballer werden wollte und das jetzt auch bin. Ich habe mich gefragt, ob ich warten soll, bis ich meine Karriere beendet habe. Kein anderer Spieler in der Profi-Liga hier ist geoutet“, so der 17-Jährige.

Die neue Freiheit wirkt sich auch positiv auf seine Leistung aus

Seit sich Daniels vor seiner Familie, Freunden und Teamkollegen geoutet hat, seien der „Stress“ und das „Kopfzerbrechen“ verschwunden, sagt der junge Profi. Zuerst habe er sich bei seiner Mutter und seiner Schwester, bei denen er lebt, geoutet: „Jetzt bin ich einfach zufrieden und froh, endlich ich selbst zu sein.“

Das wirkt sich auch auf seine sportliche Leistung aus: „An dem Tag, an dem ich es meiner Mutter und meiner Schwester gesagt habe, haben wir gegen Accrington gespielt und ich habe vier Tore geschossen. Das zeigt, wie groß der Stein war, der mir vom Herzen gefallen ist und was für eine massive Erleichterung es war.“ 

Ein Vorbild auf dem Spielfeld – und auch abseits

Er hofft, dass andere Spieler nun seinem Beispiel folgen. „Ich bin erst 17, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass es das ist, was ich machen will“, so der Blackpool-Jungstar: „Und wenn dadurch, dass ich mein Coming-out habe, andere Leute das sehen und das Gefühl bekommen, dass sie vielleicht dasselbe tun können, wäre das genial.“

Die FIFA, die UEFA sowie etliche englische Topklubs zollten Daniels großen Respekt. Auch der britische Premierminister Boris Johnson meldete sich zu Wort: „Ich danke dir für deinen Mut, Jake“, schrieb Johnson auf Twitter: „Du wirst für viele eine Inspiration sein – sowohl auf als auch abseits des Spielfelds.“

Es gibt nicht viele offen schwule Profifußballer

Jake Daniels ist nicht der erste englische Fußballprofi, der sich geoutet hat. Vor 32 Jahren hat sich Justin Fashanu als schwul geoutet – mit tragischen Konsequenzen: Er strauchelt im Leben, wird schließlich der Vergewaltigung bezichtigt und nimmt sich 1998 schließlich das Leben.

Seitdem haben sich nicht viele Spitzenspieler geoutet: Im Jahr 2013 war es etwa der ehemalige Bayern-Spieler Thomas Hitzelsperger – nachdem er seine aktive Karriere beendet hatte. Nun freut er sich für Daniels: „Gut gemacht, Jake Daniels! Hab’ eine wunderbare Karriere!“, schrieb er auf Twitter. Er lobte auch den Blackpool FC für dessen Unterstützung.

Eine neue Generation von schwulen Fußballern will sich nicht mehr verstecken

Einige Monate nach Hitzlsperger machte der frühere US-Nationalspieler und Ex-Major-League-Soccer-Profi Robbie Rogers mit dem vermeintlichen Ende seiner Karriere auch seine Homosexualität öffentlich. Allerdings wurde er aufgrund des großen Zuspruchs danach noch in seiner Heimatstadt Los Angeles von LA Galaxy verpflichtet, wo er bis 2017 spielte. 

Letztes Jahr hat dich der 22-jährige australische Fußballer Josh Cavallo von Adelaide United geoutet. Es scheint, als würde eine neue Generation von Fußballern mit diesem Thema besser umgehen als die Generationen zuvor.