Dienstag, 28. Mai 2024
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Nach Angriff bei CSD Münster: Trans Mann Malte C. ist tot

Knapp eine Woche nach dem Angriff verstarb der 25-Jährige

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Malte C. ist tot. Der 25 Jahre alte trans Mann, der am Samstag am Rande des CSD in Münster von einem Unbekannten angegriffen wurde, ist Freitagvormittag seinen Verletzungen erlegen, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Malte C. wollte Frauen helfen, die angepöbelt und bedroht wurden

Der 25-Jährige wurde nach dem offiziellen Programm beim CSD-Ständefest lebensgefährlich verletzt, als er Frauen zu Hilfe kommen wollte, die von einem Unbekannten mit den Worten „lesbische Hure“ und „verpisst euch“ angepöbelt und bedroht wurden.

Der Polizei zufolge hat der 25-Jährige diese Situation mitbekommen und den Störer gebeten, die Beleidigungen zu unterlassen. Daraufhin soll der Unbekannte Malte C. ohne Vorwarnung ins Gesicht geschlagen haben. Daraufhin habe er das Gleichgewicht verloren, der Unbekannte setzte mit einem weiteren Faustschlag ins Gesicht nach.

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Nach einem Faustschlag verlor er das Bewusstsein und kam mit dem Kopf auf dem Asphalt auf

Der 25-Jährige verlor daraufhin das Bewusstsein und kam mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Im Krankenhaus musste Malte C. schließlich in ein künstliches Koma versetzt werden, von dem er offenbar nicht wieder aufwachte. Der Tatverdächtige konnte nach der Tat gemeinsam mit einem Bekannten in Richtung Industriestraße flüchten.

Zeugen zufolge handelt es sich um einen 18 bis 20 Jahre alten, etwa 1,70 bis 1,80 großen und schmächtigen Mann mit Bart. Er war mit einer Jeans mit breit ausgestellten Beinen, einem T-Shirt und einem Anglerhut bekleidet. Sein Begleiter soll gleich alt und mit einem weißen T-Shirt bekleidet gewesen sein.

Nun sucht die Polizei nach dem Unbekannten mit dem Anglerhut

Nach dem unbekannten Täter wird weiter gefahndet. Die Polizei ermittelt mit Hochdruck, sie hat bereits am Montag hat die Polizei eine Ermittlungskommission eingesetzt. „Wir haben verschiedene Hinweise auf den Täter“, erklärte eine Polizeisprecherin – gefasst konnte er bis jetzt aber noch nicht werden.

Die Polizei Münster bittet deshalb weiterhin Zeug:innen, die die Tat beobachtet haben oder Hinweise zum Gesuchten geben können, sich unter +49/(0)251/275-0 zu melden. Möglicherweise können auch Handy-Aufnahmen von Passant:innen die Ermittlungen unterstützen.

Flaggen auf Halbmast: Auch die Stadt trauert

Der Münsteraner Oberbürgermeister Markus Lewe von der CDU hat angekündigt, die Flaggen an städtischen Gebäuden auf Halbmast zu setzen und Trauerbeflaggung am Rathaus anzubringen. Außerdem liegt in der Bürgerhalle ein Kondolenzbuch aus, in dem sich die Bürger:innen mit persönlichen Worten eintragen können.

Lewe selbst schrieb in das Buch: „Wir in Münster trauern um den jungen Mann, der bei der großen und bunten Christopher-Street-Day-Parade am vergangenen Samstag durch einen Gewaltangriff tödlich verletzt wurde. Dieses grausame Ereignis zeigt, dass wir uns immer noch mehr einsetzen müssen für Gleichberechtigung und Akzeptanz von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung.“

Der Bischof von Münster ist über die Tat entsetzt

Auch Felix Genn, römisch-katholischer Bischof von Münster, zeigte sich über die Tat entsetzt. In seiner Erklärung bezeichnete er Malte C. ausdrücklich als „Transmann“: „Ein junges Leben wurde ausgelöscht. Was für eine barbarische, was für eine irrsinnige Tat“, so Genn.

„Wir müssen laut unsere Stimme erheben gegen alle, die anderen wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religionszugehörigkeit nicht tolerieren, beschimpfen, verbal oder tätlich angreifen. Intoleranz, Ausgrenzung und Hass dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben“, so der Bischof weiter.

„Ich hoffe, der Täter wird gefasst“

Sven Lehmann, der Queerbeauftragte der deutschen Bundesregierung, hat erklärt, der Tod von Malte C. mache ihn „traurig und fassungslos“. „Ich hoffe, dass Maltes Tod unsere Gesellschaft aufrüttelt. Wir haben auch in Deutschland ein großes Problem mit Hass gegen queere Menschen“, so Lehmann weiter.

Auch Nyke Slawik, trans Bundestagsabgeordnete der Grünen, zeigte sich über den Tod von Malte C. schockiert: „Entsetzlich“, schrieb die 28-Jährige auf Twitter: „In tiefer Trauer. In Gedanken bei all seinen Angehörigen. Ich hoffe, der Täter wird gefasst.“

Kundgebung heute um 18.00 Uhr vor dem Rathaus in Münster

„Queerfeindlichkeit/Transfeindlichkeit sind potenziell tödlich“ machte auch Kathrin Vogler, queerpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, klar. Sie weine um den 25-Jährigen. „Mein Mitgefühl gilt seiner Familie und seinen Freund*innen.“

Die queeren Vereine von Münster haben für heute um 18.00 Uhr vor dem Rathaus am Prinzipalmarkt zu einer Kundgebung gegen Gewalt an queeren Menschen aufgerufen. Auch Lewe hat angekündigt, an der Veranstaltung teilzunehmen.