Sonntag, 14. April 2024
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Lieber schöne Mädchen als schwul: Silvio Berlusconi ist tot

Silvio Berlusconi ist tot. Wenn es um LGBTI-Rechte geht, ist seine politische Bilanz klar negativ. Und auch persönlich war sein Verhältnis zur Community sehr durchwachsen.

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Es ist das Ende einer Ära in der italienischen Politik: Der ehemalige italienische Ministerpräsident und Medienunternehmer Silvio Berlusconi ist heute im Alter von 86 Jahren in einem Mailänder Krankenhaus gestorben. Er litt an chronischer Leukämie.

Berlusconi prägte Italien über Jahrzehnte – als Politiker, Medienmogul und langjähriger Eigentümer des AC Mailand. Zwischen 1994 und 2011 war er dreimal Ministerpräsident. Im vergangenen September wurde er bei den Parlamentswahlen in den Senat gewählt. Seine Partei Forza Italia koaliert aktuell mit der Regierung der ultrarechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. 

Queerer Stillstand während seiner Zeit als Ministerpräsident

Politisch war die Regierungszeit von Silvio Berlusconi von Stillstand bestimmt, wenn es um queere Themen ging. Ein Gesetzesentwurf seines Vorgängers Romano Prodi über die Einführung Eingetragener Partnerschaften verschwand 2001 in der Schublade. Diese wurden erst 2016 unter dem Sozialdemokraten Matteo Renzi eingeführt, als letztes Land Westeuropas.

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Im Jahr 2011 machte Berlusconi auf einer katholischen Veranstaltung klar: „Homosexuelle werden nie eine mit Heterosexuellen vergleichbare Ehe eingehen können, weil es nur eine Art der Familie gibt“, so der damalige Ministerpräsident.

Flapsiger Machismo statt Einsatz für Minderheiten

Seine persönlichen Äußerungen zu queeren Themen waren von billigen Zoten und einem tiefen italienischen Machismo geprägt. Als seine „Bunga-Bunga“-Affäre im Jahr 2010 in die Schlagzeilen kam, erklärte der damalige Regierungschef, es sei besser, „Leidenschaft für schöne Mädchen zu haben, als schwul zu sein“.

Die größte italienische LGBTI-Organisation Arcigay kritisierte daraufhin Berlusconis „vulgären Machismo“, mit dem er nicht nur Schwule beleidige, sondern auch Frauen. Daran änderte sich wohl auch zwei Jahre später nichts, als der damals 75-Jährige behauptete, kein Problem mit Schwulen zu haben: „Ganz im Gegenteil: Je mehr Schwule um mich herum sind, desto weniger Konkurrenz habe ich.“

Seiner 49 Jahre jüngeren Freundin zuliebe gab er sich geläutert

Im Jahr 2014 gab sich Berlusconi dann geläutert – nachdem seine 49 Jahre jüngere Freundin, das bisexuelle Showgirl Francesca Pascale, Arcigay beigetreten war. „Bürgerrechte für Homosexuelle sind ein Kampf, für den sich in einem wahrhaft modernen und demokratischen Land jeder verantwortlich fühlen sollte“, erklärte der 77-jährige.

Als Liberaler glaube er, „dass wir mit einer umfassenden Debatte etwas zugunsten der Gerechtigkeit und der Zivilisation erreichen können“, so Berlusconi damals. Warum er als Ministerpräsident nicht dem entsprechend gehandelt hat, bieb aber sein Geheimnis.

Im Jahr 2020 brach die Beziehung nach zehn Jahren auseinander, Pascale bekam eine üppige Abfindung von Berlusconi. Letztes Jahr heiratete sie die bekannte römische Popsängerin Paola Turc.

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