Montag, 27. Mai 2024
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Palästinenser-Flagge in der Türkis Rosa Lila Villa sorgt für Empörung

Für Aufregung sorgte am Wochenende eine Palästinenser-Flagge, die aus einem Fenster der Türkis Rosa Lila Vila hing. Eine offizielle Stellungnahme der Verantwortlichen gibt es bis zur Stunde nicht.

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Es war am Samstag, kurz vor Mittag, als Falter-Chefredakteur Florian Klenk in seinen Social-Media-Kanälen ein irritiertendes Bild postete: Eine Palästinenser-Flagge, die aus einem Fenster der Türkis Rosa Lila Villa, dem unabhängigen queeren Zentrum an der Linken Wienzeile, hing.

Die Rosa Lila Villa hängt die Palästina Fahne aus dem Fenster. Vielleicht auch eine aus Israel – zum Gedenken an die Opfer eines der schlimmsten Terroranschläge begangen durch die Hamas (deren Sponsor Iran Schwule am Kran aufhängt)? pic.twitter.com/mk5msLwvON

— Florian Klenk (@florianklenk) October 21, 2023

Gibt es in der Community wirklich Unterstützer der Hamas?

Damit stand eine Frage im Raum: Sollte es in der LGBTI-Community wirklich Unterstützer der radikalislamischen Hamas geben, die queeren Menschen ihre Lebensberechtigung abspricht? Im Gaza-Streifen gilt noch das Verbot gleichgeschlechtlicher Handlungen aus der britischen Kolonialzeit.

Unterstützt wird die Hamas außerdem maßgeblich von Katar, wo Homosexualität als „geistiger Schaden“ gilt, schwule Männer ohne Begründung festgenommen und in „Umerziehungslager“ geschickt werden, und dem Iran, der Lesben und Schwule auch zum Tod verurteilt und hinrichtet.

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„Soll das nur ein Zeichen für den Massenmord an Juden sein?“

Für Doron Rabinovici, in Tel Aviv geborener und in Wien lebender Schriftsteller und Historiker, vollkommen unverständlich: „Weiß da niemand, wie gefährdet Homosexuelle im Hoheitsgebiet der Palästinensischen Administration sind und dass in Gaza Homosexualität mit Gefängnis bestraft wird? Oder soll das aktuell nur ein Zeichen für den Massenmord an Juden sein?“. schreibt er auf dem Kurznachrichtendienst X, vormals Twitter.

Öl ins Feuer goss dann noch das Villa Vida Café, das sich im Erdgeschoß des Hauses befindet. Auf einem Screenshot, der GGG.at vorliegt, ist zu sehen, dass das Café in einer Insta-Story ein Posting der Seite „Palästinensersolidarität“ teilt, auf dem die Villa mit der Palästinenser-Flagge zu sehen ist.

Villa Vida Café bewirbt Organisation, die Massaker als „kräftigen Akt des Widerstands“ bewirbt

„Mich bestürzt, dass das Villa Vida Café auf Instagram eine Organisation bewirbt, die das Hamas-Massaker an Zivilist*innen nicht nur nicht verurteilt hat, sondern das Abschlachten als ‚kräftigen Akt des Widerstands‘ abgefeiert hat. In meinen Augen ist das Wahnsinn“, meint dazu Alexander Pollak von der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch auf Facebook.

Die HOSI Wien betont in einem Posting, dass sie mit der Türkis Rosa Lila Villa nichts zu tun habe: „Die Villa ist eine eigenständige Organisation, die keinerlei Einfluss der HOSI Wien unterliegt. Wir als HOSI Wien haben hingegen zum Gedenken an die Opfer des Hamas-Terrors am 11. Oktober am Ballhausplatz aufgerufen“, heißt es aus dem HOSI-Büro auf der anderen Seite des Wienflusses.

FPÖ fordert – einmal mehr – Ende aller städtischen Förderungen für die Villa

FPÖ-Gemeinderat Stefan Berger nannte „das Hissen der Palästinenser Fahne nach dem barbarischen Akt der Hamas“ einen „Tiefpunkt“, der zu Konsequenzen führen müsste – wie etwa einem Stopp aller Förderungen durch die Stadt Wien. Die FPÖ hatte die Villa auch in der Vergangenheit immer wieder angegriffen, etwa wegen der dort stattfindenden Drag-Queen-Lesungen für Kinder.

Und so bleibt unklar, was hinter der Aktion steckt. Unbestätigten Informationen zufolge soll sich hinter dem Fenster, aus dem die Fahne gehisst wurde, eine der Wohngemeinschaften des Villa-Wohnprojekts befinden. Diese standen in der Vergangenheit auch immer wieder für queere Geflüchtete aus dem arabischen Raum zur Verfügung.

Eine Reaktion der Verantwortlichen gibt es bis jetzt nicht. Anfragen von GGG.at beim Villa Vida Café und im Umkreis der Villa blieben unbeantwortet. Offenbar versucht man, die Causa durchzutauchen. Doch einige entscheidende Fragen bleiben weiterhin offen.