Samstag, 20. April 2024
HomeFamilieEhe und PartnerschaftGriechenland: Parlament beschließt Öffnung der Ehe

Griechenland: Parlament beschließt Öffnung der Ehe

Meistgelesen

Neu auf GGG.at

Es ist ein Meilenstein in der Geschichte des modernen Griechenland, nach zwei Tagen Debatte: Mit einer parteiübergreifenden Mehrheit von 176 der insgesamt 300 Abgeordneten hat das Parlament in Athen am Donnerstagabend die Zivilehe für schwule und lesbische Paare geöffnet.

Griechenland ist das erste orthodoxe Land, das die Ehe öffnet

Damit ist Griechenland das erste christlich-orthodoxe Land, das die Ehe für alle einführt. Insgesamt haben somit jetzt 16 der 27 EU-Mitgliedsstaaten die Ehe geöffnet, zuletzt Estland im Jänner dieses Jahres.

Es ist ein bahnbrechender Sieg für die Befürworter von LGBTI-Rechten, nicht nur gegen den Widerstand der griechisch-orthodoxen Kirche. Der konservative Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, der das Vorhaben vor einem Monat präsentierte, hat sich damit auch gegen Widerstand aus den Reihen seiner Partei Nea Dimokratia durchgesetzt.

- Werbung -

Unterstützung kam aus fast allen Lagern

Unterstützt wurde die Ehe-Öffnung fraktionsübergreifend, was in Griechenland selten ist: Zusätzliche Stimmen kamen von linken und sozialdemokratischen Abgeordneten. Kommunisten und kleinere rechten Parteien stimmten gegen die Ehe-Öffnung.

„Wir entscheiden hier nicht über einen gesellschaftlichen Wandel“, so Mitsotakis vor der Abstimmung im Plenum: „Dieser Wandel hat längst stattgefunden.“ Der gleichberechtigte Zugang zur Zivilehe verbessere das Leben „vieler unserer Mitbürger sehr, ohne – das betone ich – das Leben von vielen Menschen zu beeinträchtigen“.

Jubel und Freude auf den Straßen von Athen

Dem entsprechend wurde das Ergebnis der Abstimmung im Parlament auch von den Besuchern auf den Rängen und dutzenden Demonstrierenden auf den Straßen von Athen mit Jubel begrüßt. „Das ist ein historischer Moment. Das ist ein Tag der Freude“, meinte etwa Stella Belia, Leiterin der NGO Rainbow Families.

Die griechisch-orthodoxe Kirche hatte im Vorfeld alle Register gezogen, um die Öffnung der Ehe zu verhindern. So haben einige Bischöfe den Abgeordneten ihrer Regionen gedroht, sich „gut zu überlegen, wofür sie sich entscheiden“. Kirchliche Gruppen hatten auch am Sonntag zu einer Demonstration in Athen aufgerufen, an der mehrere tausend Menschen teilgenommen haben. 

Bis jetzt waren nur Eingetragene Partnerschaften möglich

Bis jetzt konnten gleichgeschlechtliche Paare in Griechenland nur eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Diese wurde 2016 von der vorigen Regierung unter der Leitung der linken Partei Syriza eingeführt. Die Adoption war für Eingetragene Paare nicht möglich.

Künftig haben schwule und lesbische Ehepaare dieselben Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Ehepaare. So können sie Kinder adoptieren, und wenn das Kind biologisch von einem der beiden Partner:innen stammt, erhalten beide das Sorgerecht.

Leihmutterschaft bleibt verboten

Weiterhin verboten bleibt queeren Paaren in Griechenland die Leihmutterschaft. Griechenland ist das einzige Land der EU, in der Leihmutterschaft für alleinstehende Frauen und verheirateten heterosexuellen Paaren erlaubt ist.

Die griechische Gesellschaft ist gespalten, wenn es um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geht. Befürworter und Gegner liegen aktuellen Umfragen zufolge in etwa gleichauf.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner