Samstag, 20. April 2024
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Katar: Behörden locken Airline-Mitarbeiter mit falschem Grindr-Profil in die Falle

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Bereits seit dem 4. Februar 2024 sitzt Manuel Guerrero Aviña, Mitarbeiter von Qatar Airways mit britischer und mexikanischer Staatsbürgerschaft, in der katarischen Hauptstadt Doha in Haft, weil er schwul ist. Nun hat die Familie den Fall öffentlich gemacht.

Bruder beschuldigt die Polizei von Katar, Manuel gefoltert zu haben

„Die Polizei von Katar hat ein falsches Grindr-Profil benutzt, um Manuel zu kontaktieren und ihn zu einem Treffen mit anderen Menschen aus der LGBT-Community in der Stadt Doha einzuladen“, erklärt sein Bruder Enrique dem britischen Magazin Attitude . Doch stattdessen traf er auf Polizeibeamte, die ihn verhafteten.

In der Haft wurden seine Menschenrechte mehrmals verletzt. Er wurde „Opfer grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung sowie psychologischer Folter“, erklärt Manuels Bruder: „Er wurde bedroht, isoliert, ihm wurde Nahrung und ausreichend Wasser vorenthalten.“ So sollen ihn die Behörden unter Androhung von Schlägen gezwungen haben, in den Kontakten seines Telefons andere queere Menschen in Katar zu verraten.

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Dem Airline-Manager wurde Zugang zu seinen HIV-Medikamenten verweigert

Auch soll er gezwungen worden sein, beim Auspeitschen anderer Gefangener zuzusehen. Weiters sollen ihm bei seiner Verhaftung Drogen untergeschoben worden sein, und er wurde „gezwungen, Dokumente auf Arabisch zu unterschreiben“, ohne dass sie ihm übersetzt worden wären.

„Schlimmer noch, ihm wurde der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten verwehrt, die er braucht, um mit HIV leben zu können, was einen Akt der Folter darstellt und sein Leben gefährdet“, so sein Bruder. Er hat deshalb die Kampagne „QatarFreeManuel“ ins Leben gerufen, um Aufmerksamkeit für die Situation seines Bruders zu schaffen.

Die Botschaften kämpfen für Manuel, sein Arbeitgeber ignoriert den Fall

Sowohl die britische als auch die mexikanische Botschaft in Katar sind in der Sache aktiv geworden. Das britische Außenministerium bestätigt „konsularischen Beistand für einen Briten, der in Katar inhaftiert ist“. Auch die mexikanische Botschaft bestätigt, man stehe „in ständigem Kontakt mit seinen Angehörigen“ und arbeite mit den britischen Kollegen zusammen. Von seinem Arbeitgeber, Qatar Airways, gibt es keine Stellungnahme oder Unterstützung.

Gleichgeschlechtlicher Sex ist in Katar illegal. Er wird mit bis zu sieben Haft bestraft. Der Scharia zufolge könnte dafür sogar die Todesstrafe verhängt werden, die allerdings nicht vollstreckt wird. Wie im Zuge von Recherchen im Umfeld er Fußball-WM 2022 herausgekommen ist, gibt es in dem Land auch „Umerziehungseinrichtungen“ für Schwule, Lesben oder trans Personen. Deren Lage soll sich nach der WM sogat verschlechtert haben.

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