[Video] Christliche Araberin wird erste „Miss Trans Israel“

"In einem anderen Land hätte man mich vielleicht getötet"

Tallinn Abu Chana
Veranstalter

Die 21-jährige Tallinn Abu Chana ist Israels schönste transsexuelle Frau. Die christliche Araberin aus Nazareth wurde am Freitag in Tel Aviv zur „Miss Trans 2016“ gewählt und konnte so den ersten Schönheitswettbewerb für Transgender-Frauen für sich entscheiden.

„Heute kann ich in den Spiegel schauen und sehe eine glückliche Frau“

Ihre Wahl ist doppelt bedeutend: Denn auch in Israel ist die arabische Gesellschaft sehr konservativ. Dennoch haben sexuelle Minderheiten in Israel mehr Möglichkeiten: „Ich bin stolz darauf, israelische Araberin zu sein“, sagt sie. „Wäre ich in Palästina oder in einem anderen arabischen Land, hätte man mich vielleicht ins Gefängnis gesteckt oder getötet.“

Der Weg zur Frau war für sie aber trotzdem nicht einfach. „Heute kann ich in den Spiegel schauen, und ich sehe eine glückliche Frau. Ich habe keine Angst mehr“, sagt sie. Tallinn Abu Chana erhält umgerechnet 13.500 Euro für Schönheitsoperationen in Thailand und vertritt Israel im September beim „Miss Trans Star“-Wettbewerb in Barcelona.

Den Titel „Miss Photogenic“ bekommt die 21-jährige Eileen Ben-Zaken, die aus einer ultra-orthodoxen Familie stammt. Die Hormone für die Geschlechtsanpassung kaufte die Konditorin, die heute in Tel Aviv lebt, zunächst auf dem Schwarzmarkt. Mit der Geschlechtsumwandlung habe sich für sie ein Traum erfüllt: „Ich habe in den Spiegel geschaut und konnte nicht glauben, dass ich endlich eine Frau bin.“

 

Insgesamt haben sich zwölf Teilnehmerinnen beworben, von denen elf auch in der letzten Runde angetreten haben. Darunter auch die 30-jährige Reem Or aus Haifa: Sie wurde als Teenager verstoßen, nachdem sie sich als Transgender geoutet hatte. „Mit 21 habe ich den Prozess allein begonnen, ohne Hilfe von Ärzten“, erinnert sie sich im Gespräch mit der Tageszeitung „Ha’aretz“.

Für Transgender in Israel ein „historischer Tag“

Für die 70-Jährige Efrat Tilma, Jurymitglied und eine der erste Transgender-Frauen in Israel, war die Wahl ein „historischer Tag“. Initiatorin des Bewerbs ist Israela Stephanie Lev. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich darüber bin, dass dieser Wettbewerb jetzt stattfindet“, freut sie sich. Die heute 55-Jährige hat sich schon als Teenager als Frau geoutet und ist damit auch eine Pionierin der Transgender-Bewegung in Israel. „Die Polizei hat uns immer wieder festgenommen“, erinnert sie sich. Heute leben in Israel Schätzungen zufolge rund 2000 transsexuelle Männer und Frauen.

Die Wahl zur „Miss Trans 2016“ war der Auftakt zur Tel Aviv Pride, einer der größten Veranstaltungen für sexuelle Minderheiten im Mittelmeerraum. Besonders im Nahen Osten gilt die 400.000-Einwohner-Stadt als Hochburg der Community. Mit dem Wettbewerb möchte Lev mehr Verständnis für Transmenschen schaffen: „Wir wollen Gleiche unter Gleichen sein“, erklärt sie. Noch immer hätten Transgender Probleme bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Job.