Olivia Jones: Strafanzeige gegen AfD-Chef wegen Volksverhetzung

Setzen André Poggenburg und seine Fraktion Homosexualität mit Kindesmissbrauch gleich?

Olivia Jones
Michael Schilling/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Die bekannte deutsche Drag-Queen Olivia Jones hat Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen André Poggenburg, Chef der „Alternative für Deutschland“ (AfD) in Sachsen-Anhalt, erstattet. Das hat die 46-Jährige in einem Offenen Brief bekanntgegeben, den sie auch auf ihrer Homepage veröffentlichte. Für Poggenburg gilt die Unschuldsvermutung.

Demnach hat Jones die Anzeige auf der bekannten Davidswache im Hamburger Stadtteil St. Pauli erstattet. Grund dafür ist die nach Ansicht der Drag Queen ungerechtfertigte polemische Kritik gegen Aufklärung über sexuelle Vielfalt in den Kindergärten und Schulen von Sachsen-Anhalt.

„Ich will mich nicht später fragen müssen, warum ich nichts gesagt habe“

Dass sie sich mit ihrer Anzeige wegen Volksverhetzung in die mediale Schusslinie der Rechten begibt, weiß Olivia Jones: „Mir ist klar, dass er das von jemandem wie mir vermutlich als ‚Ritterschlag‘ empfinden wird. Aber ich will mich später nicht fragen lassen müssen, warum ich die Klappe gehalten habe.“

Es geht um eine Aufklärungsbroschüre über sexuelle Vielfalt, die das Landesministerium für Gleichstellung herausgegeben hat. Dort werden auch kindgerechte Bücher über sexuelle Orientierungen und Geschlechteridentitäten empfohlen. Darunter ist auch „Keine Angst in Andersrum“ von Olivia Jones.

Für die Fraktion der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt ist die Broschüre ein Skandal: Auf einer Grafik für Facebook suggeriert die rechtspopulistische Partei am 21. August, die „neue Bildungslektüre für Kinder“ würde aus Büchern wie „Wie kann ich als Kind Sex haben? 5 Schritte einfach erklärt. Heute: Warum du in Wirklichkeit homo bist“ und „Schreibe deine 7 erotischen Szenarien mit einem Erwachsenen auf“ bestehen.

Aufklärung über sexuelle Identitäten für AfD „ideologische Verblendung“

Poggenburg als Fraktionsvorsitzender wird neben der Grafik damit zitiert, dass sich die AfD „intensiv gegen diese ideologische, unverantwortliche Verblendung“ wehren werde: „Für uns zählen Wohlbefinden und seelische Unversehrtheit unserer Kinder mehr als unsinnige und übertriebene Forderungen von Schwulen- und Lesbenverbänden“, so der AfD-Funktionär auf Facebook weiter.

Eine Wortwahl, die für Olivia Jones nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks übersteigt. Die Hamburger Ikone ärgert nicht nur, dass eine wichtige Broschüre verunglimpft werde, sondern auch, dass „Aufklärung über Homosexualität mit Kindesmissbrauch auf eine Stufe“ gestellt werde.

AfD-Posting hat für Jones nichts mehr mit Humor zu tun

Das habe nichts mehr mit Humor zu tun, so Jones: „Millionen Menschen mussten und müssen unter solchem ‚Humor‘ leiden. Menschen, die sich Ihre Homosexualität nicht ausgesucht haben, die auch nicht schwul ‚gemacht‘, sondern so geboren wurden.“ An die AfD appelliert sie, „mit dem Zündeln aufzuhören“.

„Liebe AfD Sachsen-Anhalt, ich frage mich ernsthaft, ob eigentlich jemals eines Ihrer Fraktionsmitglieder eines der vom Ministerium empfohlenen Bücher gelesen hat. Ich schicke Ihnen meins gerne kostenlos zu. Wenn’s sein muss, komme ich sogar zum Vorlesen vorbei“, bietet die Drag-Queen den ostdeutschen Populisten an.

„Vielleicht fällt Ihnen dann endlich auf, wie einfach man Kindern erklären kann, dass es noch andere Beziehungsformen als Mann-Frau oder Mutter-Vater-Kind gibt, dass davon die Welt nicht untergeht und es sogar in der Natur vorkommt – und zwar alles ohne auch nur einmal das Wort ‚Sex‘ zu benutzen“, erklärt das Hamburger Original in seinem Offenen Brief.