Volker Beck nach 23 Jahren nicht mehr im Bundestag

Nun wird er an der Uni Bochum eine Vorlesung zum Thema Religionspolitik halten

Volker Beck
Stefan Kaminski

Nach 23 Jahren gehört Volker Beck seit Sonntag nicht mehr dem Deutschen Bundestag an: Die Landespartei in seinem Heimatbundesland Nordrhein-Westfalen verweigerte ihm im Dezember einen sicheren Listenplatz. Bei einer Kampfabstimmung um Platz zwölf auf der Landesliste unterlag der profilierte Abgeordnete dem Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff mit 24,4 Prozent.

Nun steht fest, was Volker Beck künftig macht – zumindest zeitweise: Wie nun bekannt wurde, hat der 56-Jährige eine Berufung zum Lehrbeauftragtern am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) an der Ruhr-Universität Bochum angenommen. Dort wird er im Wintersemester 2017/18 eine Vorlesung zum Thema „Religionspolitik: Akteure, Interessen, Auseinandersetzungen“ halten. Die erste Lehreinheit findet am 13. Oktober statt.

Noch vor einigen Wochen hat sich Volker Beck kryptisch geäußert, was seine Zeit nach der Bundestags-Karriere betrifft. Gegenüber dem „Mannschaft“-Magazin meinte er: „Ich will nachdenken, lesen, lernen, vielleicht selber ein bisschen was schreiben. Mal schauen“.

Vollprofi im Berliner Polit-Betrieb

Volker Beck war einer der profiliertesten Politiker der Grünen im Deutschen Bundestag. Sein wohl größter politischer Erfolg war die Öffnung der Ehe, die vor der Sommerpause beschlossen wurde – und die Beck damit auch noch als Bundestagsabgeordneter miterleben durfte. Im Zuge der parlamentarischen Debatte darüber hielt er auch seine letzte Rede im Bundestag.

Beck war von 1994 bis 2002 rechtspolitischer, von 2005 bis 2013 menschenrechtspolitischer sowie von 2013 bis 2016 innenpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion. Von 2013 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag war er deren religionspolitischer und ab 2016 deren migrationspolitischer Sprecher.

Von 2002 bis 2013 war er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Bundestagsfraktion und von 2014 bis 2017 Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages.

„Kindersex-Affäre“ und mutmaßlicher Drogenfund als dunkle Punkte auf dem Lebenslauf

Allerdings haben zwei Vorfälle einen Schatten auf diese fast makellose Karriere geworfen: So musste er sich im Jahr 2013 für einen Text aus dem Jahr 1988 verantworten, in dem er sich für die Entkriminalisierung von Sex mit Kindern ausgesprochen hatte.

Diese Haltung bezeichnete er später als Irrtum: Nachdem er mit Kinderschutzeinrichtungen gesprochen hatte, habe er seine Position dazu geändert, so Beck. Er betonte auch, dass er als rechtspolitischer Sprecher der Grünen aktiv an mehreren Reformen des Sexualstrafrechts mitgewirkt hatte, welche die Rechtssituation der Opfer sexuellen Missbrauchs verbessern und Strafbarkeitslücken schließen.

Im Februar 2016 wurden bei Beck während einer Personenkontrolle in Berlin 0,6 Gramm einer „betäubungsmittelverdächtigen Substanz“ gefunden. Daraufhin trat der Politiker zunächst von allen Fraktions- und Parlamentsämtern zurück. Ein Verfahren wurde gegen Zahlung von 7.000 Euro wegen „geringer Schuld“ eingestellt. Beck gilt deshalb nicht als vorbestraft.