Uni Potsdam: Regenbogenflagge gehisst

Trotz des Verbots durch die Leitung der Universität Potsdam haben Studenten gestern auf dem Campus der Uni die Regenbogenfahne gehisst. Die Hochschulleitung wird die Fahne trotz des Verbotes aber tolerieren. Darauf habe sich Uni-Leitung und die Studenten geeinigt. Die Universität bleibt aber bei ihrem Beschluss nach dem Gleichbehandlungs-Grundsatz: Wenn die Uni die Regenbogenfahne erlauben würde, müsse sie auch anderen Gruppen oder Initiativen eine Zusage geben. Dem widersprachen gestern sowohl Dorit Horn vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), der vergleichbar mit der ÖH in Österreich ist, sowie Nils Naber, Chef der Potsdamer Grünen. Eine Haltung für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben sei „alternativlos“, so Naber – das gelte besonders für die Uni, die sich hochkarätig an der Debatte um ein neues Potsdamer Toleranzedikt beteilige. Horn sagte, sie könne das Argument, dass das erlaubte Hissen der Regenbogenfahne die Uni verpflichten würde, auch bei anderen Gruppen Zusagen zu geben, nicht nachvollziehen. Sie schilderte zudem, dass die Universitätsleitung den AStA bereits vor anderthalb Wochen aufgefordert habe, eine Regenbogenfahne abzunehmen, die Studenten im Hinterhof des AStA-Büros gehisst hätten.

Allein das Verbot zeige, dass es nötig sei, die Flagge zu hissen, so Horn. Schwule, lesbische oder bisexuelle Studenten seien an der Uni Potsdam zwar keinen Anfeindungen ausgesetzt, „unterschwellig“ gebe es aber immer wieder Konfrontationen. So würden beispielsweise die Aushänge der lesbischwulen Hochschulegruppe „QueerUP“ beschmiert.

Mehr Unterstützung der Stadt Potsdam und des Landkreises Potsdam-Mittelmark forderte gestern am Rande des Flaggen-Hissens die „Kommunale Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Brandenburg e.V.“ Dringend gebraucht werde eine „Fluchtwohnung“ in der Stadt, in der junge Homosexuelle unterkommen könnten, die nach ihrem Outing von ihren Eltern zuhause herausgeworfen werden, sagte Carsten Bock, Vorstand des 2004 in Potsdam gegründeten Vereins. Potsdam sei eine sehr tolerante Stadt, so Bock, doch „das hört vor den Grenzen der Stadt spontan auf“. Jugendliche aus dem Umland kämen teilweise „seelisch deformiert“ vom Verbergen der eigenen Sexualität nach Potsdam und bräuchten Hilfe.