Schule schwänzen für Homo-Rechte

Zu einer außergewöhnlichen Aktion hat das niederländische Schwulenmagazin „Expreszo“ aufgerufen: Junge Lesben und Schwule sollten sich in der Schule krank melden und auf eine Homo-Demonstration in Den Haag gehen. Demonstriert wird gegen ein Gesetz, das es religiösen Schulen erlaubt, schwule und lesbische Schüler und Lehrer abzulehnen oder aus der Schule zu werfen.

Die umstrittene Regel sollte am Montag im Unterhaus in Den Haag diskutiert werden. Allerdings wurde die Debatte verschoben, weil sich die zuständige Innenministerin Guusje ter Horst krank gemeldet hat.

In den Niederlanden werden öffentliche Schulen entweder von den Regionen oder privaten Schulterhalftern betrieben. Diese haben oft einen religiösen Hintergrund. Derzeit dürfen konservative religiöse Schulen Schüler oder Lehrer nicht ablehnen, nur weil diese homosexuell sind. Trotzdem können sie, wenn sie ihre sexuelle Orientierung „offen zur Schau stellen“ aus der Schule fliegen, wenn das mit den Prinzipien der Schule nicht vereinbar ist. Außerdem können religiöse Schulen in den Niederlanden ihren Lehrern vorschreiben, im Unterricht Homosexualität zu verurteilen.

Die oppositionellen Mitte-Links-Parteien im niederländischen Parlament wollen nun eine Gesetzesänderung erreichen, dass alle Schulen jeden Schüler aufnehmen müssen. Die in der Regierung sitzende Arbeiterpartei würde den Plan unterstützen, trifft aber auf Widerstand ihrer religiös orientierten Koalitionspartner: Christdemokraten und Christliche Union sind gegen eine Gesetzesänderung. Sie fürchten, diese Änderung würde das in der Verfassung garantierte Recht auf Unterrichtsfreiheit untergraben.

Auch wenn die Debatte darüber wegen der Erkrankung der Innenministerin verschoben wurde, will „Expreszo“ die Demonstration trotzdem abhalten. Auch, wenn der Herausgeber des Magazins sich keine große Beteiligung erwartet: Denn viele Lesben und Schwule hätten Angst, sich durch die Teilnahme an der Demo zu outen. Was nach der derzeitigen Rechtslage für Lehrer und Schwuler religiös betriebener Schulen ein Grund für einen Rausschmiss wäre.