Homo-Skandal unter DFB-Schiedsrichtern?

Einen herben Rückschlag in seinem Kampf gegen Homophonie im Fußball muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hinnehmen. Schuld daran ist ein Vorfall in den eigenen Reihen. Das berichtet das Online-Portal „queer.de“.

Dem Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell wird vorgeworfen, einen jungen Schiedsrichter sexuell belästigt und womöglich daraufhin dessen Karriere gefördert zu haben. Für den Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung handelt es sich bei dem Opfer um Michael Kämpfer, den mit 27 Jahren derzeit jüngsten Fifa-Schiedsrichter Deutschlands. Der Bankkaufmann ist seit fünf Jahren in der Bundesliga tätig. Gegenüber den Medien wollte er nichts sagen.

Der 62-jährige Amerell wurde auf eigene Bitte von seinen Tätigkeiten im Schiedsrichter-Ausschuss entbunden, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Beim DFB war der ehemalige Schiedsrichter unter anderem für die Aufteilung der Spiele an Schiedsrichter und die Talentförderung zuständig. Amerell ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) bestätigt DFB-Präsident Theo Zwanziger die internen Ermittlungen: „Es haben Vernehmungen stattgefunden und aktuell finden weitere Vernehmungen statt.“ Um die Vorwürfe zu bestätigen oder zu widerlegen sei es aber noch zu früh, so Zwanziger. Derzeit prüfe ein Justiziar die Aussagen beider Seiten.

Letzten Donnerstag ist allerdings bereits Rainer Koch, für Schiedsrichter zuständiger Vizepräsident des DFB zurückgetreten. Angeblich hatte er erst in der letzten Woche von den Vorwürfen erfahren. Volker Roth, Vorsitzender des DFB-Schiedsrichterausschusses, wusste hingegen angeblich schon seit Dezember von der Causa – und hatte zunächst nichts unternommen. Der DFB betonte, der Verband und das Präsidium hätten nach Bekanntwerden des Vorwurfs „umgehend reagiert“.

Amerell selbst bestreitet die Anschuldigungen: „“Da lache ich mich kaputt. Was die Vorwürfe ‚belästigt oder genähert haben soll‘ anbelangt, so kann ich nur sagen, sie sind völlig haltlos und aus der Luft gegriffen und werden von mir zurückgewiesen.“ Gegenüber der „Bild“ spricht sein Anwalt von einer „Räuberpistole“, mit der „das Ansehen eines Menschen, der soviel fürs Schiedsrichterwesen und das Ehrenamt getan hat, in den Schmutz gezogen wird.“ Sein Mandat kenne derzeit weder die Vorwürfe, noch wisse er, wer sie vorgebracht habe, so der Anwalt weiter.

Der Kampf des DFB gegen Homophobie im Fußball wird durch die Vorwürfe nicht leichter: Präsident Zwanziger hat das Thema zur Chefsache gemacht und schwulen Profis Unterstützung im Falle eines Outings zugesagt. Durch das unfreiwillige mutmaßliche Outing eines DFB-Funktionärs, gepaart mit Missbrauchsvorwürfen, wird dieser Kampf sicher nicht leichter.