[Video] Lady GaGa kämpft in Rom für Schwulenrechte

Für internationales Aufsehen sorgte der Auftritt von Lady GaGa bei der

Abschlusskundgebung der Europride in Rom.

Die Sängerin forderte bei der Veranstaltung im Circus Maximus vor bis zu einer Million Teilnehmern eine Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen. „Ich stehe hier als eine Weltbürgerin und fordere mit euch zusammen Regierungen weltweit auf, unseren Traum von Gleichheit zu erleichtern“, so die 25-Jährige: „Lasst uns Revolutionäre der Liebe sein und unsere starken menschlichen Kräfte nutzen, um Leben zu retten und zu Einheit in der ganzen Welt zu ermutigen.“

Dabei war die Sängerin auffallend dezent gekleidet: Eine blaue Perücke und ein schwarz-weißes Kleid von Versace unterstrichen, dass es ihr nicht um die Show ging, sondern um die Botschaft. So verzichtete sie in ihrer halbstündigen Rede auch auf jegliche Provokation in Richtung Kirche. „Ich bin mir der religiösen Traditionen bewusst“, sagte Lady GaGa. „Ich habe Respekt für Familien, die glauben, aber ich glaube, dass es wichtig ist, eine Veränderung zu fordern und zu erkennen.“ Danach sang sie am Klavier zwei Lieder.

Mit ihrem gemäßigten Ton nahm sie schwulen- und lebensfeindlichen Politikern den Wind aus den Segeln. So hat der stellvertretende Parlamentspräsident Rocco Buttiglione vor der Abschlusskundgebung noch getönt: „Wenn Lady Gaga den Heiligen Vater oder die katholische Kirche angreift, werden sich Millionen von gemäßigten Schwulen nicht in diesen Kommentaren wiederfinden“. Buttiglione musste in die italienische Innenpolitik zurückkehren, nachdem das EU-Parlament seiner Bestellung zum EU-Kommissar wegen seiner schwulenfeindlicher Äußerungen widersprach.

Der Europride ist der Höhepunkt der europäischen Lesben- und Schwulenparaden. Er findet jedes Jahr in einer anderen Metropole statt und soll die Aufmerksamkeit der Community auf den Austragungsort lenken. In Italien haben es Lesben und Schwule noch immer schwer: So betrachtet der Vatikan Homosexualität noch immer als Verhaltensstörung. Dem entsprechend waren auf der Parade vor der Abschlusskundgebung, an der hunderttausende Menschen teilnahmen, auch papstfeindliche Parolen zu lesen.

Auch die Regierung weigert sich, Schwulen und Lesben mehr Rechte zu geben – mit Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist die Schaffung Eingetragener Partnerschaften in weite Ferne gerückt. Mit der Parade sollte deshalb auch der Druck auf die italienische Regierung verstärkt werden, die Rechte von Schwulen und Lesben anzuerkennen. „Das ist eine Regierung, in der der Ministerpräsident was mit minderjährigen Mädchen hat, aber zugleich sagt, dass er niemals Gesetze zulassen will, die dem vom Vatikan propagierten Familienbild widersprechen“, kritisierte Paolo Patane vom größten italienischen Lesben- und Schwulenverband Arcigay seine Regierung. Berlusconi hatte sogar im Zuge seiner „Bunga-Bunga“-Affäre gesagt, es sei besser eine Leidenschaft für schöne Frauen zu haben „als schwul zu sein“. Schwule konterten den Spruch auf der Europride mit T-Shirts, auf denen der Slogan „Besser gay als Berlusconi“ zu sehen war.