RAI zensiert Nonnen-Serie wegen schwulem Paar

Bis jetzt hatte die ARD-Nonnenserie „Um Himmels Willen“ eher nicht den Ruf, besonders kontroversiell zu sein. Doch dem italienischen Staatsfernsehen RAI ist eine Folge zu heftig. Der Grund: Es geht um die Segnung eines schwulen Paares – das könne man italienischen Seelen nicht zumuten, urteilt die RAI.

Deshalb streicht der als konservativ geltende erste Fernsehkanal RAIUNO die 125. Folge „Romeo und Romeo“. Sie handelt von einem Lehrer, der aus seiner Schule geekelt werden soll, als er sich mit seinem Freund verpartnern will. Letztendlich dürfen die beiden Männer mit dem Segen von Schwester Hanna in der Kapelle des Klosters den Bund fürs Leben schließen.

Die Begründung des Senders: Man habe die Folge aus dem Programm genommen, „um jede Polemik zu vermeiden“. RAI-Programmdirektor Mauro Mazza erklärte: „Diese Szene könnte Zuschauern unangenehm auffallen. Würde die Szene im Rathaus statt im Kloster stattfinden, gäbe es kein Problem.“

Damit wird das Staatsfernsehen zum willfährigen Vollstrecker der Moralvorstellungen der Regierung Berlusconi. Immerhin ist Italien eines der letzten Länder Westeuropas, in dem Lesben und Schwule keine Eingetragene Partnerschaft eingehen können. Und Familienstaatssekretär Carlo Giovanardi ist stolz darauf und zeigt keine Anstalten, das zu ändern: „Die Homoehe gibt es vielleicht in drei oder vier Ländern auf der Welt. Bei uns wäre das verfassungswidrig.“ Bei anderen Themen ist die italienische Regierung allerdings nicht ganz so konservativ – Premierminister Silvio Berlusconi ist dafür bekannt, gerne „Bunga-Bunga“-Parties mit nicht immer volljährigen Damen zu feiern.

Anna Paola Cocia, die einzig offen homosexuelle Abgeordnete im italienischen Parlament, ist entsetzt: „Die RAI betreibt hier eine Zensur der Wirklichkeit. Vor allem, weil es ja schon etliche Filme über homosexuelle Beziehungen im Fernsehen gab.“ Die Politikerin der Demokratischen Partei hat im August in Frankfurt ihre deutsche Partnerin geheiratet und viele positive Reaktionen bekommen: „Wir haben Tausende Briefe bekommen von ganz normalen Italienern – katholisch, nichtkatholisch, heterosexuell -, die uns beglückwünscht haben. Es gibt da einen Riesenunterschied zwischen dieser Regierung und den Menschen im Land, die sind viel weiter.“