Nigeria: Erste Festnahmen und Folterungen wegen Anti-Homo-Gesetz

Seit wenigen Tagen ist Homosexualität in Nigeria praktisch verboten – schon gibt es die ersten Festnahmen nach dem neuen Gesetz.

Wie Anfang der Woche bekannt wurde, hat Präsident Goodluck Jonathan ein Gesetz unterzeichnet, das das bereits bestehende Verbot homosexueller Handlungen verschärft. Bis zu 14 Jahren Haft drohen Nigerianern, die im Ausland heiraten oder eine Eingetragene Partnerschaft eingehen, das Betreiben einer Schwulenbar oder einer Organisation für die Rechte von Lesben und Schwulen wird mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft.

Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitteilte, seien im Süden Nigerias bereits zehn Männer nach dem neuen Gesetz festgenommen worden. Im islamisch geprägten Norden habe es mindestens 38 Festnahmen gegeben, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Frauen wurden bis jetzt nicht verhaftet.

Einige der Verdächtigen im Norden sollen schon verhaftet worden sein, bevor das Gesetz offiziell in Kraft trat. Sie sollen auch gefoltert worden sein, um die Namen weiterer Schwuler zu nennen.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat auf das praktische Verbot von Homosexualität in Nigeria reagiert: Er hoffe, dass die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes überprüft werde, so sein Sprecher Martin Nesirky. Jeder Mensch genieße dieselben Grundrechte und dürfe ein Leben in Würde und ohne Diskriminierung leben, erklärte er. Auch die USA kritisieren das Gesetz.

Nigeria ist mit 160 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Immer mehr Länder des Kontinents verschärfen das bereits bestehende Verbot von homosexuellen Handlungen, oft unter dem Einfluss reaktionärer christlicher oder islamischer Kreise. So könnte schwulen oder lesbischen „Wiederholungstätern“ in Uganda bald lebenslange Haft drohen.