[Video] Friedliche Lesben- und Schwulenparade in St. Petersburg

Ohne große Störungen fand am Samstag in St. Petersburg bereits zum fünften Mal eine Lesben- und Schwulenparade statt. Zwischen 100 und 150 Teilnehmer protestierten friedlich auf dem Marsfeld der russischen Stadt für die Rechte sexueller Minderheiten. Die Stadt hatte den Aktivisten zuvor empfohlen, auf andere Orte auszuweichen – unter anderem eine ehemalige Mülldeponie.

Einen Marsch durch die Stadt haben die Behörden unter anderem auf Berufung auf das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ verboten. Die Veranstaltung und das abschließende Picknick auf einem abgetrennten Teil des Marsfelds von St. Petersburg, eine Art „Hyde Park“ mit Rede- und Diskussonsfreiheit, verliefen friedlich. Es gab keine größeren Gegenproteste, zwei Teilnehmer wurden vorläufig festgenommen. Die Polizei hat die Veranstaltung geschützt.

Einer der Teilnehmer brachte eine zerrissene Regenbogenflagge mit. Sie wurde bei einer weniger friedvollen Veranstaltung der russischen Lesben- und Schwulenbewegung zerstört. Sie sollte das Leiden sexueller Minderheiten in Russland aufzeigen. Ein Mann wurde von der Veranstaltung entfernt, weil er unter den Teilnehmern nationalistische Flugblätter verteilte.

Gegner nahmen Kinder mit, um Aktivisten zu provozieren

Um Verstöße wegen des Gesetzes gegen „Homo-Propaganda“ zu provozieren, haben einige Gegendemonstranten ihre Kinder mitgenommen. Denn das Gesetz greift nur, wenn Minderjährige „Opfer“ der Propaganda werden. Deshalb wurde auch ein Mann festgenommen, weil er außerhalb des abgetrennten Gebiets ein Schild hochhielt, auf dem „Sodomie ist süßer als Honig“ stand. Ein anderer Teilnehmer fotografierte Kinder ohne Einverständnis der Eltern. Beide Männer sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Dass die Veranstaltung in St. Petersburg schon seit mehreren Jahren ein für russische Verhältnisse großer Erfolg ist, ist wohl dem Organisator Yuri Gawrikow zu verdanken: Er schafft es mit seiner Gruppe „Ravnopravije“ (Gleichheit), dass die verschiedenen Gruppen innerhalb der schwul-lesbischen Szene an einem Strang ziehen.

Verwaltung wollte Parade auf einer Ex-Müllhalde

Als Ort für ihre Veranstaltung haben sich die Aktivisten das Marsfeld von St. Petersburg ausgesucht. Hier braucht es für Demonstrationen keine Genehmigungen. Zuvor hatte die Stadtverwaltung alle anderen Plätze, die von den Organisatoren vorgeschlagen, abgelehnt. Ihre Gegenvorschläge: Eine mittlerweile mit Gras überwachsene Mülldeponie nahe dem Finnischen Meerbusen, oder im Vorort Novosjolk in der Nähe eines Friedhofs.

Für Gawrikow spiegeln die Vorschläge der Stadtregierung ihr „klassisches Verhalten“ gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern wider.

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