Von den Lehrern gemobbt, weil er schwul war: 16-jähriger Kolumbianer begeht Selbstmord

Der Selbstmord eines jungen Burschen erschüttert derzeit Kolumbien: Sergio Urrego war erst 16, als er sich am 4. August in der Hauptstadt Bogotá vom Dach eines Einkaufszentrums sprang und drei Stunden später starb. Die Lehrer an seiner katholischen Schule hatten ihn gemobbt, weil er schwul war. Konsequenzen wird es für sie wahrscheinlich keine geben.

Schwere Geschütze aus der Direktion

Die Qualen für Sergio Urrego fingen im Mai an, als seine Lehrer auf seinem Handy ein Foto fanden, auf dem er seinen Freund küsst. Das Handy wurde konfisziert, die Burschen wurden zum schuleigenen Psychologen geschickt.

Der Mitschüler, mit dem Sergio Urrego seit eineinhalb Monaten zusammen war, wurde gezwungen, sich bei seinen Eltern zu outen. Außerdem wurde er von der Schule geschmissen. Urrego selbst wurden seine Noten nicht bekanntgegeben, der Wechsel an eine andere Schule wurde von der Direktion boykottiert.

Irgendwann wurde der Druck zu groß und Sergio Urrego hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Auf Facebook schrieb er kurz vor seinem Tod noch: „Meine sexuelle Orientierung nicht meine Sünde, sie ist mein eigenes Paradies.“

Wollte die Schule die Qualen von Sergio vertuschen?

Die Direktion der Schule dürfte die Botschaft nicht verstanden haben. Nachdem der Selbstmord von Sergio Urrego bekannt wurde, hat der Direktor die Schüler zusammengetrommelt, um ihnen zu erklären, der Bursche wäre nicht nur schwul gewesen, sondern auch ein „Anarchist“ und ein „Atheist“. Der Schulpsychologe wies die Schüler an, den Selbstmord „diskret“ zu behandeln.

Dienstrechtliche Konsequenzen für das Personal am Ginmasio Castillo Campestre dürfte es keine geben. Zuvor hatten der Schüler und seine Eltern versucht, sich mit dem Direktor und den zuständigen Behörden zu treffen, um die Situation zu besprechen – doch sie wurden abgewimmelt. Die Probleme des 16-Jährigen seien zu Hause zu suchen, weil seine Eltern seine sexuelle Orientierung nicht akzeptierten, so die Beamten.

Mutter kämpft um das Vermächtnis ihres jungen Sohnes

Doch das will Sergios Mutter nicht auf sich sitzen lassen. Sie hat angekündigt, nicht zu ruhen, bis der Name ihres Sohnes wieder feingewaschen wurde und gegen die Schule Anklage erhoben wurde. Unterstützung bekommt sie dabei von der schwul-lesbischen Gruppe „Colombia Diversa“.

Ein tragisches Detail am Rande: Für Bildung ist in Kolumbien Ministerin Gina Parody zuständig, selbst lesbisch und in einer Beziehung mit Wirtschaftsministerin Cecilia Alvarez. In einer Stellungnahme zum Tod von Sergio Urrego sagt sie: „Es ist ein schmerzhaftes Beispiel dafür, was in Kolumbien nicht geschieht: Dass die Schulen ein Ort des Friedens sind, Sie können autonom sein, aber sie dürfen in ihren Richtlinien nicht die Rechte der Verfassung verletzen.“

Der Schutz von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ist in Kolumbien Teil der Verfassung. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft die Umstände des viel zu frühen Todes von Sergio Urrego. Vor der Schule, dem Einkaufszentrum und in Medellin, der Heimat seiner Eltern, finden Mahnwachen zu seinem Gedenken statt.