Große Sicherheitsvorkehrungen bei Jerusalem Pride

Etwa tausend Polizisten sicherten die Parade ab

Regenbogenflagge
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Gestern fand in Jerusalem ohne größere Zwischenfälle die Jerusalem Pride statt. Mehr als 20.000 Teilnehmer demonstrierten für die Rechte sexueller Minderheiten in Israel. Wegen Drohungen gegen die Parade wurden zwölf Personen  verhaftet. Vor zwei Jahren wurde bei der Demonstration ein junges Mädchen von einem ultraorthodoxen Israeli erstochen.

Schwerpunkt der Veranstaltung war dieses Jahr das Thema Religion. In Jerusalem leben viele konservativ eingestellte Juden, Christen und Muslime, die gleichgeschlechtliche Liebe als Verstoß gegen biblische Gebote ablehnen. Auch dieses Jahr gab es wieder Proteste ultrarechter Gruppen gegen die Parade. Sie riefen am Rande der Parade: „Es ist nicht Stolz (Pride), es ist eine Abscheulichkeit!“

Tausend Polizisten, gesperrte Straßen, Metallgitter an der Strecke

Die Jerusalem Pride fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Etwa 1000 Polizisten haben den Umzug geschützt. Aus Furcht vor gewaltsamen Protesten oder Attentaten sperrte die israelische Polizei zentrale Straßen in der Stadt. Die Strecke der Parade wurde teilweise mit Metallgittern abgesperrt. Es gab nur wenige, streng kontrollierte Zugänge.

Die Polizei nahm insgesamt zwölf Personen fest. Bei einem der Verhafteten konnte die Polizei auch ein Messer sicherstellen. Noch vor der Jerusalem Pride wurde ein 33 Jahre alter Israeli verhaftet, weil er auf Facebook Drohungen gegen die Parade veröffentlicht hatte.

„Trotz der Fortschritte und Erfolge in unserem Kampf für eine tolerantere Gesellschaft ist unsere Gemeinde immer noch mit Hass, Ignoranz und Ablehnung konfrontiert“, heißt es dazu auf der Website der Jerusalem Pride.

Vor zwei Jahren endete die Jerusalem Pride mit einem Drama

Im Jahr 2015 nahm die Jerusalem Pride ein tragisches Ende, als der ultraorthodoxe Extremist Yishai Schlissel mit einem Messer auf Teilnehmer der Parade losging. Dabei starb die 16-jährige Shira Banki. Sieben Menschen wurden verwundet. Schlissel wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Einer der Überlebenden dieses Anschlags sagte, er hätte Angst gehabt, dass sich der Angriff wiederholen könnte: „Ich habe Todesangst, aber die Botschaft, die die ich diesem Marsch geben möchte ist, dass wir dem Terror nicht nachgeben“, sagte Yarden Noy dem Armeeradio.

Mittlerweile wurde ein Platz in Jerusalem nach Shira Banki benannt, auch ein Zentrum gegen Hassverbrechen in der israelischen Hauptstadt trägt ihren Namen. Bei der Jerusalem Pride gestern trugen etliche Teilnehmer Bilder der ermordeten 17-Jährigen zu ihrem Gedenken.