Homophobe Sprechchöre bei WM: FIFA ermittelt gegen Mexiko

Aber warum hat der Schiedsrichter nicht schon während dem Spiel eingegriffen, wie es bei rassistischen Kommentaren üblich ist?

Sujetbild: FIFA WM 2018
Sujetbild - FIFA

Wegen schwulenfeindlichen Fan-Sprechchören beim Weltmeisterschaftsmatch gegen Deutschland am Sonntag hat die FIFA nun Ermittlungen gegen Mexiko eingeleitet. Die Fans des mittelamerikanischen Teams sollen den Gegner als „puto“ beschimpft haben, was als „Schwuchtel“ oder „Stricher“ übersetzt werden kann.

FIFA sammelt „potenzielle Beweise“ der schwulenfeindlichen Sprechchöre

Man werde die Spielberichte und „potenzielle Beweise“ sammeln und eine Stellungnahme des beim Spiel anwesenden Anto-Diskriminierungs-Beobachters einholen, heißt es seitens der FIFA. Bis diese Ermittlungen abgeschlossen seien, gebe es seitens des Weltfußballverbandes keine weiteren Kommentare.

Einem Bericht der New York Times zufolge gab es einen solchen Ruf erstmals in der 25. Minute. In der TV-Übertragung ist ein solcher Ruf unter anderem in der 43. Minute zu erahnen. Besucher berichten in Sozialen Netzwerken, dass die Rufe im Stadion deutlicher zu hören gewesen seien als bei der Übertragung – das könnte auch daran liegen, dass die FIFA das Fernsehsignal kontrolliert und gegebenenfalls anpasst.

Homophobe Sprechchöre sind bei lateinamerikanischen Fans weit verbreitet – mit entsprechenden Konsequenzen

Es ist nicht das erste Mal, dass mittel- und lateinamerikanische Fans ihre Gegner homophob beschimpfen. Bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatte die FIFA diese Rufe allerdings nicht bestraft, weil sie im Fußball-Kontext als „nicht beleidigend“ zu werten seien.

Seitdem hat es beim Weltfußballverband aber ein gewisses Umdenken gegeben. So wurden in den letzten Jahren solche Rufe sanktioniert: In mehreren Fällen wurden Geldstrafen verhängt, Chile musste deshalb zwei WM-Qualifikationsspiele in kleineren Stadien austragen. Vor der Weltmeisterschaft hatte der mexikanische Fußballverband FEMEXFUT seine Fans deshalb noch ermahnt, homophobe Rufe zu unterlassen.

Warum wurde das Spiel nicht unterbrochen, um die Fans zur Ordnung zu rufen?

Doch Experten kritisieren die späte Reaktion. Denn vor Kurzem hat die FIFA neue Regeln eingeführt, nach denen das Spiel beispielsweise bei homophoben Sprechchören augenblicklich unterbrochen werden kann, um diese durch eine entsprechende Durchsage zu tadeln.

„Es gibt nur einen Weg, wie das aufhört – und das ist, wenn die FIFA Spiele pausiert und die Fronten klarmacht, wenn diese Sprechchöre passieren, oder sie das mexikanische Team ab der ersten Minute in einem leeren Stadion spielen lassen“, erklärt Outsports-Chefredakteur Cyd Zeigler.

Die FIFA habe dies im Kampf gegen Rassismus schon oft gemacht, erinnert Zeigler: „Und dass sie es nicht zusammenbringen, das Gleiche jetzt gegen Mexiko zu machen, sendet die klare Botschaft aus, dass die Fußballwelt das nicht ernst nimmt.“