[Video] Bekennender Homo-Hasser wird Präsident von Brasilien

In der Stichwahl bekam Jair Bolsonaro 55 Prozent der Stimmen

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro/Facebook

In Brasilien konnte der ultrarechte Ex-Militär Jair Bolsonaro die Präsidentenwahl für sich entscheiden. Der „Tropen-Trump“ bekam 55 Prozent der Stimmen – und steht für einen radikalen Politik-Wechsel. Leidtragende dieses Wechsels werden auch sexuelle Minderheiten sein.

Bolsonaro möchte die Ehe-Öffnung wieder rückgängig machen

So hat Bolsonaro im Wahlkampf unter anderem angekündigt, die seit 2013 geltende landesweite Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare wieder rückgängig zu machen. Auch sagte er, er würde gerne ein Gesetz gegen die Diskriminierung Heterosexueller verabschieden sowie eine Hetero-Pride-Parade veranstalten.

Im Jahr 2002 meinte er in einem Interview, wenn er auf der Straße zwei Männer sehe, die sich küssten, würde er sie verprügeln. Auch hat er sich dagegen ausgesprochen, dass anti-retrovirale Medikamente für die Behandlung von HIV vom Staat bezahlt werden.

„Es ist, als ob die Tore der Hölle geöffnet wurden“, fürchten sich brasilianische LGBT-Aktivisten

In der Dokumentation „Out There“ des britischen Schauspielers Stephen Fry behauptete Bolsonaro, dass es in Brasilien keine homophone Gewalt gebe – obwohl allein dieses Jahr bis September bereits 300 Angehöriger sexueller Minderheiten umgebracht wurden. Beobachter befürchten, dass sich Rechtsradikale nach der Wahl Bolsonaros ermutigt fühlen, Lesben, Schwule oder Trans-Personen anzugreifen.

„Es ist, als ob die Tore der Hölle geöffnet wurden, als ob die Jagdsaison eröffnet wurde“, erklärte Beto de Jesus, Gründer der São Paulo Pride, der britischen Tageszeitung The Guardian. Die Menschenrechtsgruppen Human Rights Watch und Amnesty International haben bereits angekündigt, die Lage in Brasilien genau zu beobachten und mit der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten.

Für Stephen Fry war sein Gespräch mit Bolsonaro über seine Ansichten sehr beunruhigend

Auch sagte Bolsonaro gegenüber Fry, dass kein brasilianischer Vater jemals Stolz auf einen schwulen Sohn wäre. „Es war eines der beunruhigendsten Gespräche, dass ich je mit einem Menschen hatte“, erinnerte sich Fry später an das Interview. Vor wenigen Wochen fügte er hinzu, dass Bolsonaro als Präsident eine „wirklich erschreckende“ Vorstellung sei – die nun wahr geworden ist.

Wegen einer ähnlichen Aussage wurde der neue brasilianische Präsident bereits zu einer Strafe von umgerechnet 34.000 Euro wegen Volksverhetzung verurteilt. Im Jahr 2011 erklärte er unter anderem, dass seine Kinder nie einen schwulen Sohn zur Welt bringen würden, weil sie eine „gute Erziehung“ genossen hätten. Er ergänzte hinzu, dass er einen schwulen Sohn nicht lieben könne: „Mir wäre lieber, er würde bei einem Unfall sterben“, so Bolsonaro.

Mit seinen konservativen Ansichten punktet Bolsonaro vor allem bei der immer größer werdenden Gemeinde der evangelikalen Christen in Brasilien. Auch seine Ankündigung, hart gegen Korruption vorgehen zu wollen, brachte dem Politiker, der öffentlich Sympathien für die von 1964-85 herrschende Militärdiktatur hegt, viele Stimmen.