Sie sind das „Pink Wedding Pärchen“: Der 37-jährige Diplom-Krankenpfleger Jürgen Kiehtreiber und sein Partner Jürgen Pendl, 44 Jahre alt, ebenfalls Krankenpfleger und Moderator, Schauspieler, Journalist und Inhaber Eventagentur. Seit 2014 sind sie ein Paar – mit GGG.at haben sie über ihre Liebe und ihren neuen Titel gesprochen.

Ihr seid beim Pink Lake zum „Pink Wedding Pärchen“ gekürt worden – wie kam es dazu?

Die Grundidee entstand durch die Agentur Glückwärts Wedding & Events, Vollblutherz und grandiose Wedding, in Kooperation mit den Veranstaltern des Pink Lakes und Wörthersee Tourismus. Unter dem Motto „Pink Wedding – Verliebt, verlobt, verheiratet – Der Alles-ist-möglich-See“ wurde zum ersten Mal das Pink Wedding Pärchen 2019 gesucht – sowohl ein schwules als auch lesbisches Pärchen.

Viele haben sich in den letzten 11 Jahren auch am Pink Lake kennen und auch lieben gelernt, und das war ebenso ein Kriterium, dieses Casting ins Leben zu rufen. Vielleicht heiratet doch der eine oder andere am wunderschönen Wörthersee.

Wir beide fanden die Aktion sehr witzig und lustig – und da wir beide für jeden Spaß zu haben sind, haben wir mitgemacht. Ebenso konnten wir dem Charme der süßen Wedding Girls nicht widerstehen.

Wie war denn das Gefühl, als ihr auf der Bühne standet und gewählt wurdet?

Wedding-Pärchen Jürgen und Jürgen
Petra Nestelbacher

Erstens haben wir ja damit nicht gerechnet, dass wir überhaupt in die engere Wahl kommen – wir waren schon überrascht, als wir von einer Fachjury unter die ersten Zehn gekommen sind.

Als das Voting dann begonnen hat, haben wir uns auch nicht wirklich Chancen ausgerechnet, da wirklich viele tolle Pärchen mitgemacht haben. Als es dann am Sonntag soweit war und wir noch unter den letzten Drei waren, waren wir sehr angespannt und auch leicht nervös – und wie danach die jeweiligen Platzierungen vorgelesen wurden, zuerst der dritte Platz und dann der zweite, konnten wir es nicht fassen, dass wir gewonnen haben.

Als wir dann auch noch gehört haben, dass 60 Prozent der Stimmen an uns gegangen sind, waren wir mehr als überwältigt und fassungslos. Aber auf der Bühne zu stehen war für uns überwältigend, und wir waren überrascht, erfreut und einfach happy.

Und wie lange seid ihr schon zusammen?

Wir beide sind jetzt seit 4 Jahren zusammen.

Ist Heirat da schon ein Thema?

Derzeit ist es bei uns kein aktuelles Thema – wir möchten uns generell noch Zeit damit lassen und für uns selbst auch entscheiden, ob irgendwann für uns die Eingetragene Partnerschaft reicht oder ob wir doch die Ehe in Erwägung ziehen. Wir sind aber der Meinung, dass jeder, der die Ehe haben möchte, diese auch vollziehen dürfen sollte – gleiches Recht für alle.

Welche Botschaft möchtet ihr als Pink Wedding Pärchen der Community mitgeben?

Dass wir alle gemeinsam kämpfen, um unsere Gleichstellung und die gleichen Rechte zu erlangen – in vielen Bereichen, nicht nur in der Ehe für alle. Einstehen für Toleranz. Zu uns selbst stehen – akzeptieren was wir sind und uns dafür auch nicht verstecken müssen. 

Wedding-Pärchen Jürgen und Jürgen
Petra Nestelbacher

Aber wir möchten auch auf den Weg geben: Toleranz innerhalb der eigenen Community – denn auch hier kommt es vor, dass wir in unseren eigene Reihen teils nicht tolerant sind.

Wir müssen akzeptieren, dass es auch bei uns unterschiedlichste Formen und Fetische gibt und diese auch anerkennen, auch wenn man diese selbst nicht teilt, aber dann auch gern verurteilt. Das sollte nicht sein: Wir sollten jeden so nehmen und akzeptieren wie er ist, und jeden seinen Fetisch ausleben lassen wie er möchte. Leben und leben lassen.

Wichtig wäre auch mehr Toleranz gegenüber den Älteren unter uns – es ist fallweise erbärmlich, wie vor allem in diversen Chatportalen ältere Personen zutiefst beleidigt werden. Das muss doch nicht sein – man kann auch höflich zum Ausdruck bringen, dass man kein Interesse hat. Und man sollte auch bedenken: Jeder von uns wird älter!

Generelle Toleranz untereinander ist unserer Meinung nach wichtig – auch niemanden zu verurteilen, weil er sich nicht outen möchte. Wir finden es ganz schlimm, wenn man dann Menschen dazu zwingen oder sie gar öffentlich outen möchte, ohne dem Einverständnis der jeweiligen Person.

Wir sollen uns auch gegenseitig unterstützen: Wenn man bedenkt, dass unter LGBT-Personen die Suizidrate am höchsten ist – wir sollten uns helfen und nicht noch verbal auf jemanden hinschlagen.

Auch teils nicht noch extra provozieren, damit wir auch endlich von diesem typischen Klischee wegkommen, das Heterosexuelle von uns haben – da sind wir leider auch teils selber schuld und können gemeinsam viel ändern. Das Klischee, das man von uns hat, oder das nach außen teils getragen wird: Das sind wir nicht – das ist vielleicht ein kleiner Prozentsatz von uns – die Mehrheit ist anders und das sollte transportiert werden.

Wedding-Pärchen Jürgen und Jürgen
Petra Nestelbacher

Wir sind ganz normale Menschen, die einem Job nachgehen, ein völlig normales Leben führen – wir haben nur den einen Unterschied, das wir Männer lieben, das war’s. Und nur ein kleiner Prozentsatz erfüllt das Klischee, das man immer von uns hat – wir huren in der Gegend umher, sind alle HIV positiv oder nehmen Drogen – aber das ist ja nicht so.

Da sollte man gemeinsam ansetzen, den Dialog mit anderen suchen und dann werden sehr Viele bemerken, dass wir alle wie Du und ich sind – Menschen von nebenan, vor denen man sich nicht fürchten muss – wir sind nicht anders.

Ist die Ehe für Euch überhaupt noch zeitgemäß?

Das ist eine gute Frage, ob die Ehe noch zeitgemäß ist in der heutigen Zeit – das sei dahingestellt und ist sicher eine individuelle Ansichtssache.

Definitiv ist die Ehe eine schöne Tradition, und man darf nicht vergessen, die Rechte die man als Ehepartner auch dadurch erwirbt – sei es das Besuchsrecht oder das Auskunftsrecht, wenn der Partner im Krankenhaus liegt, das einem sonst verwehrt bleiben könnte, auch das Erbrecht und vieles andere, die sonst einem verwehrt bleiben könnte.

Für viele ist die Ehe auch so die Vollendung ihrer Liebe – die Verbundenheit.