Provinzpolitikerin wollte Bundestagsabgeordneten als schwul outen

Und so genial reagiert der FDP-Politiker

Marcel Klinge
Marcel Klinge/FDP

Die 49 Jahre alte Fridi Miller wäre gerne Oberbürgermeisterin von Villingen-Schwenningen geworden. Doch die Bevölkerung der Stadt in Baden-Württemberg schenkt ihr nicht das Vertrauen – im ersten Wahlgang bekam sie gerade einmal 0,5 Prozent der Stimmen. Deshalb soll sie nun zu unlauteren Mitteln gegriffen haben, berichten lokale Medien.

Weil sie sich verleumdet fühlte, wollte sie „pikante Details aus dem Sexualleben“ des Politikers veröffentlichen

So soll sie FDP-Bundestagsabgeordneten Marcel Klinge, der auch im Gemeinderat der Stadt sitzt, gedroht haben, ihn als schwul zu outen. In einer E-Mail schrieb sie, sie wolle „pikante Details aus seinem Sexualleben“ an die Öffentlichkeit zu bringen, wenn Klinge und sein Team nicht „umgehend alle Verleumdungen“ gegen sie zurücknehme.

Damit meint sie offenbar, dass sie die FDP zu Beginn des Oberbürgermeister-Oberbürgermeister-Wahlkampfs wegen ihrer Chancenlosigkeit nicht zu einer Kandidatenvorstellung eingeladen hatte.

Marcel Klinge ließ sich nicht einschüchtern – und ging in die Offensive

Doch Klinge ließ sich nicht unter Druck setzen. Auf seiner Facebook-Seite geht er in die Offensive. „Erpressung und Mobbing wegen Herkunft, Religion, politischen Ansichten und sexueller Orientierung geht gar nicht“, so der Politiker –  und stellt die Mail und Postings von Fridi Miller an ihn gleich dazu.

„Ich bin der Meinung, jeder Mensch sollte leben und lieben dьrfen, wie er möchte. Dieses Recht nehme ich auch fьr mich in Anspruch. Ich kann in der sexuellen Orientierung eines jeden Menschen ьberhaupt kein Kriterium dafür sehen, wie gut er oder sie fьr ein Amt geeignet ist. Ich habe nie die Notwendigkeit gesehen, mein Privatleben ins Schaufenster zu stellen und stehe klar dazu, wie ich bin“, so Klinge auf Facebook weiter.

„Gerade junge Menschen, die in ihrer Orientierungsphase sind, sollten nicht den Zwang verspüren, sich vor der Öffentlichkeit verstecken oder rechtfertigen zu mьssen. Ich schreibe hier heute nicht nur fьr mich, sondern möchte zeigen, dass Mobbing, Erpressung, Nötigung und Ausgrenzung egal mit welchem Hintergrund gar nicht gehen und wir alle aufgerufen sind, unsere Stimme dagegen zu erheben“, erklärt der Bundestagsabgeordnete. Mit dieser Stellungnahme bekam Klinge jede Menge Zustimmung. „Ich bin ziemlich stolz auf die Leute. Die Reaktionen waren einfach toll“, freut er sich.

Nun beschäftigt sich die Polizei mit den Drohungen der erfolglosen Politikerin

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Polizei mit den Nachrichten von Fridi Miller, für die weiterhin die Unschuldsvermutung gilt. Das BKA sei aktiv, so Klinge. Und er ist nicht der Einzige: Auch andere Personen, die in letzter Zeit von der OB-Kandidatin beleidigt worden sein sollen, haben sich bei der Polizei gemeldet.

Ob die Anzeigen etwas bewirken, ist zweifelhaft. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll Miller in einem forensisch-psychiatrischen Gutachten eine Prozess- und Geschäftsunfähigkeit attestiert sein.

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