Beste Hauptdarsteller, bester Film: So queer war der Oscar

Ein Kleid erregte mehr Aufmerksamkeit als einige Filme

Green Book
Filmverleih

In der Nacht auf heute wurden in Los Angeles zum 91. Mal die Oscars vergeben – und dabei spielten queere Inhalte vorne mit – wie ein ungeouteter schwarzer Jazz-Musiker, eine schwule Rock-Legende oder eine lesbische Königin.

Die Geschichte eines ungeouteten Musikers wurde als bester Film ausgezeichnet

So wurde „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet. In dem Biopic geht es um den ungeoutet schwulen Musiker Don Shirley, gespielt von Mahershala Ali, der für seine Leistung den Oscar für den besten männlichen Nebendarsteller erhalten hat – bereits sein zweiter nach seiner Leistung im schwulen Filmdrama „Moonlight“ im Vorjahr. Einen dritten Oscar bekam der Film für das beste Originaldrehbuch.

Als bester männlicher Hauptstarsteller wurde Rami Malek ausgezeichnet. Er spielte im Freddie-Mercury-Biopic „Bohemian Rhapsody“ die Hauptrolle. Mit vier Oscars ist der Film überhaupt der erfolgreichste des Abends: Auch der Preis für den besten Ton, den besten Tonschnitt und den besten Schnitt gingen an „Bohemian Rhapsody“. Der Film war an den Kinokassen ein großer Erfolg.

Malek zollt Freddy Mercury in seiner Dankesrede Tribut

Malek sagte in seiner Dankesrede: „Wir haben einen Film über einen schwulen Mann gemacht, einen Einwanderer, der sein ganzes Leben lang er selbst war, ohne sich dafür zu entschuldigen. Und die Tatsache, dass ich ihn und seine Geschichte heute mit Euch feiern kann, beweist, dass wir uns nach solchen Geschichten sehnen.“

Dier Preis für die beste weibliche Hauptdarstellerin ging an Olivia Colman. Die Britin spielte in „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ die lesbische Königin Anne Stuart und eine gefährliche Ménage-à-trois am britischen Hof. Es war der einzige Oscar für den Historienfilm des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos, der insgesamt zehn Mal nominiert war.

Und auch eine Schwulenikone gewann einen Goldmann: Lady Gaga wurde für ihren Song „Shallow“ aus dem Film „A Star is Born“ mit dem Oscar für den besten Original-Song ausgezeichnet. Leer ausgegangen ist hingegen die Filmbiografie „Can You Ever Forgive Me“, in der Melissa McCarthy die lesbische Schriftstellerin Lee Israel spielt.

Billy Porter zeigte, dass auch Männer mit ihrem Outfit für Aufmerksamkeit sorgen können

Abseits der Preisverleihung sorgte unter anderem der offen schwule Schauspieler Billy Porter für Gesprächsstoff: Der 49-Jährige fragte sich, warum immer nur Frauen am roten Teppich mit ihrem Outfit für Diskussionen sorgen – und erschien mit einer Kombination aus Smoking und Reifrock-Kleid, gestaltet vom Designer Christian Siriano. Auf dem roten Teppich rief er den Fotografen zu: „Call me Cinder-Fella“. „Mein Ziel ist es, durch das, was ich trage, eine wandelnde politische Botschaft zu sein“, sagte der Schauspieler der Vogue im Vorfeld des Abends.

Ursprünglich hätte die Oscar-Verleihung vom US-Komiker Kevin Hart moderiert werden sollen. Nachdem aber alte homophobe Tweets des 39-Jährigen aufgetaucht waren, musste Hart absagen. Daraufhin entschieden sich die Veranstalter, zum ersten Mal seit 30 Jahren keinen Moderator an den Start zu schicken.